Schwartzsche Villa Berlin

Die Konzertreihe in der „Schwartzschen Villa“ gehört den markanten kulturellen Ereignissen, die das Leben des Berliner Stadtteils Steglitz bereichern. Das historische Ambiente verfügt über einen kammermusikalischen Saal, in dem Solisten wie auch Ensembles kleinerer Besetzung auftreten.



KV 533, Sonate F-Dur KV 533/494
Solist: Roman Salyutov (Klavier)
Aufnahme am 16. Juni 2017 in der Schwartzschen Villa, Berlin Steglitz

KV 533, Sonate F-Dur KV 533/494
KV 533, Sonate F-Dur KV 533/494, Allegro
KV 533, Sonate F-Dur KV 533/494, Andante
KV 533, Sonate F-Dur KV 533/494, Rondo Allegretto


KV 570, Sonate B-Dur
Solist: Roman Salyutov (Klavier)
Aufnahme am 16. Juni 2017 in der Schwartzschen Villa, Berlin Steglitz

KV 570, Sonate B-Dur
KV 570, Sonate B-Dur, Allegro
KV 570, Sonate B-Dur, Adagio
KV 570, Sonate B-Dur, Allegretto

KV 533 Schwartzsche Villa Berlin

Die Sonate F-Dur KV 533/494 ist eine der späten Sonaten von Mozart wurde im Januar 1788 vollendet, nachdem der Komponist die beiden ersten Sätze durch den dritten Satz – das 1786 bereits als Einzelstück entstandene Rondo – komplettierte. In dieser Sonate lässt sich ein neuer Stil Mozarts erleben, der sich in einer zunehmenden polyphonen Stimmführung zeigt.
In diesem Sinne ist der erste Satz der Sonate am markantesten: Mozart verwendet hier verschiedene Verflechtungen der Stimmen, wodurch die behandelten Themen immer wieder neue Nuancen erlangen. Durch eine solche Entwicklungsart entfalten sich deutlich längere Phrasenlinien, was auch eine größere Struktur des ganzen Satzes zur Folge hat.
Der zweite Satz ist nicht einfach ein lyrisches Zentrum des Zyklus, wie es typisch ist, sondern auch ein sogar philosophischer Höhepunkt der Sonate. Zur bevorzugten polyphonen Entwicklung aus dem ersten Satz kommen hier auch die Verwendung harmonischer Dissonanzen und eine verdichtete Stimmführung, was in Kombination mit einem sehr mäßigen Tempo zur Entstehung einer konzentrierten und teils auch dramatisch nuancierten Nachdenklichkeit führt. Eigentlich wäre auch die unvollendete Fassung der Sonate – also nur mit den zwei ersten Sätzen – auch denkbar, denn das darauffolgende Rondo entschärft die etablierte Stimmung wesentlich. Aber es scheint dann genau Mozarts Absicht gewesen zu sein, aus den „höheren“ Sphären wieder zu einem ruhigen, ausgeglichenen und eher neutralen Alltag zurück zu kommen.


KV 570 Schwartzsche Villa Berlin

Die Sonate B-Dur KV 570 gehört zu Mozarts späten Sonaten und entstand 1789. Wahrscheinlich stellt sie ein Auftragswerk dar, nachdem Mozart im Mai 1789 einen Auftrag vom Preußischen Hof für sechs einfache Sonate erhielt. Zu dieser Sonate gibt es auch zusätzliche Geigenstimme, die interessanterweise erst 1800 herausgegeben wurde und deren Herkunft noch nicht ganz klar ist. Aber der Klavierpart ist in den beiden Fassungen (solo und mit Violine) gleich.
Der erste Satz dieser allgemein sehr lyrischen Sonate verläuft zwar in einem ziemlich flotten Tempo, enthält aber vorwiegend ein gesangsvolles thematisches Material längeren Atems, zu dem als Kontrapunkt andere Stimme charakterlich kontrastreich erscheinen. Eine kunstvolle Verflechtung der Stimmen führt zur Entstehung ausdrucksvoller Dialoge und weist dabei interessante Parallelen zur Papageno-Arie aus der „Zauberflöte“. Tatsächlich nur in der Schusspartie kehrt Mozart zur typischen Lebendigkeit seiner Kopfsätze.
Der Charakter des zweiten Satzes wird schon durch die ersten, den Hornklang imitierenden Töne bestimmt: Es lässt sich eine angenehme und ruhige Abendstimmung spüren, die nur manchmal durch die Modulation ins Moll leicht getrübt wird.
Im dritten Satz – einem Rondo – ist die Musik voller Energie und Humor. Zwar ist das Tempo nicht so schnell, doch die Artikulation der Themen tragen zur frischen Lebendigkeit markant bei. In einer mittleren Episode wird die Verbindung zur „Zauberflöte“ wieder auffällig, indem die Tonwiederholungen in derselben Tonart an die Ouvertüre der Oper erinnern.


Roman Salyutov

Roman Salyutov wurde 1984 in Leningrad geboren. Er besuchte das Musikfachschule-Lyzeum beim Sankt Petersburger Staatskonservatorium (Klavier, Dirigieren), studierte anschließend am Sankt Petersburger Staatskonservatorium sowie an der Musikhochschule Köln. Seine Promotion zum Dr. Phil. an der Universität Paderborn im Fach Musikwissenschaft erfolgte 2011. Als Konzertpianist wirkt Roman Salyutov international und wird immer wieder für Auftritte und Meisterkurse verpflichtet. Darüber hinaus engagiert sich der Künstler in verschiedenen Kulturprojekten. Seit 2013 ist er Chefdirigent des Sinfonieorchesters Bergisch Gladbach e. V., das unter seiner Leitung verschiedene ambitionierte Musikprojekte inkl. Opernproduktionen gestaltet und mit international tätigen Solisten intensiv zusammenarbeitet.