ev. Pauluskirche Krefeld

Nachdem sich der 2014 gegründete Projektchor nach der erfolgreichen Uraufführung eines Oratoriums von Norbert Laufer (Meerbusch) in mehreren Konzerten mit Werken der modernen Zeit (Arvo Pärt (Berliner Messe), zeitgenössische geistliche Chormusik aus Skandinavien, Hugo Distler, „Vater unser“-Vertonungen von Homilius bis Stravinski, etc.) beschäftigt hat, war der Wunsch des Chores, sich der klassischen Kirchenmusik zu zuwenden. Dabei gerieten schnell die Missa Brevis in G, KV 49 und das Te Deum Mozarts (KV 141) in den Blick des Chorleiters, da diese mit den Mitteln die zur Verfügung standen realisierbar waren. Sein Plan war, diese beiden Werke in der Orgelfassung zu machen.
Die Aufführungen fanden am 2.12.2017 in der Michaelskirche in Uerdingen, am 3.12.2017 in der Pauluskirche und am 16.12.2017 in der Autobahnkirche Ruhr, Bochum statt. Der Mitschnitt ist vom Konzert am 3.12.2017 in der Pauluskirche.
Dem Chor und seinem Chorleiter Ingo Hoesch können sie bei Facebook folgen – dort sind beide mit Profilen zu finden.



KV 141, „Te Deum laudamus“
Solisten: Alexander Fröhlich (Violine I), Annette Scherer (Violine II), Maria Zemlicka (Viola), Dan Zemlicka (Cello), Klaus Norbert Kremers (Orgelcontinuo)
Leitung: Ingo Hoesch
Aufnahme am 3. Dezember 2017 in der ev. Pauluskirche, Krefeld

KV 141, „Te Deum laudamus“


KV 241, Kirchensonate G-Dur
Solisten: Alexander Fröhlich (Violine I), Annette Scherer (Violine II), Maria Zemlicka (Viola), Dan Zemlicka (Cello), Klaus Norbert Kremers (Orgelcontinuo)
Leitung: Ingo Hoesch
Aufnahme am 3. Dezember 2017 in der ev. Pauluskirche, Krefeld

KV 241, Kirchensonate G-Dur


KV 399, Ouvertüre & Fuge C-Dur
Solist: Ingo Hoesch (Orgel)
Aufnahme am 3. Dezember 2017 in der ev. Pauluskirche, Krefeld

KV 399, Ouvertüre & Fuge C-Dur


KV 274, Kirchensonate G-Dur
Solisten: Alexander Fröhlich (Violine I), Annette Scherer (Violine II), Maria Zemlicka (Viola), Dan Zemlicka (Cello), Klaus Norbert Kremers (Orgelcontinuo)
Leitung: Ingo Hoesch
Aufnahme am 3. Dezember 2017 in der ev. Pauluskirche, Krefeld

KV 274, Kirchensonate G-Dur


KV 49, Missa brevis in G
Solisten: Andrea Szrama (Sopran), Franziska Hoesch (Alt), Axel Funck (Tenor), Jens Hamer (Bass), Klaus Norbert Kremers (Orgelcontinuo)
Leitung: Ingo Hoesch
Aufnahme am 3. Dezember 2017 in der ev. Pauluskirche, Krefeld

KV 49, Missa brevis in G
KV 49, Missa brevis in G, Kyrie
KV 49, Missa brevis in G, Gloria
KV 49, Missa brevis in G, Credo
KV 49, Missa brevis in G, Sanctus
KV 49, Missa brevis in G, Benedictus
KV 49, Missa brevis in G, Agnus Dei

KV 141 ev. Pauluskirche Krefeld

Das „Te Deum“ komponierte Mozart vermutlich auch in Wien, vor seiner Italienreise, die er im Dezember 1769 antrat. Da auf dem in Salzburg erhaltenen Stimmsatz Mozart als „Konzertmeister“(ehrenhalber) erwähnt wird, muss die Komposition nach dem 27.10.1769 erfolgt sein, da er an diesem Tage vom Salzburger Erzbischof Schrattenbach in diesen Rang erhoben wurde.
Aufgrund vieler Ähnlichkeiten mit einem „Te Deum“ von Michael Haydn wurde die Echtheit dieses Werkes lange angezweifelt, aber nach Fund des Salzburger Stimmsatzes, zu dem auch noch zwei Trompeten, zwei Posaunen und Pauke gehören, konnte es, aufgrund der händischen Eintragungen des Vaters, eindeutig W. A. Mozart zugewiesen werden. Auffällig ist, dass Mozart vieles vom Aufbau und der Taktartstruktur von Michael Haydn (Te Deum 1760) übernimmt und kopiert. Entscheidend anders aber ist, dass Mozart den Beginn viermal (mit anderem Text) wiederholt, was die Struktur klarer erscheinen lässt und die Schlussfuge – bei Mozart im „Alla breve“ und sehr früh ein „Gegenthema“. Auch die Schlusscoda unterscheidet sich stark von der des Haydn´schen Te Deum. Mozart und Michael Haydn, die sich kannten und schätzten – war das vielleicht einer der beliebten „Komponistenwettstreite“?
Durch seine Besetzung mit Bläsern und Pauke hat das „Te Deum“ einen sehr festlichen Charakter, dem seine Bestimmung zur Aufführung an besonderen Festtagen (Taufen, Friedensfeiern, Siegesfeiern, Krönungen etc.). Aber auch eine Aufführung ohne Bläser und Pauken sind überliefert. Das „Te Deum“ dessen Textgrundlage der aus dem 7. Jahrhundert stammende ambrosianische Lobgesang ist, ist mit einer Länge von knapp 230 Takten sehr kompakt komponiert und kommt ohne Solisten aus. Es besticht durch seine Textausdeutung durch Taktwechsel, Tempowechsel und Charakterwechsel in der Musik (z. Bsp.: „Te ergo quaesumus“, „Miserere“). Die große Schlußfuge („In te speravi“) endet mit einem langen „in aeternum“. Es folgt kein Amen. Das Werk in C-Dur verlässt seinen festlich, fröhlichen Charakter nur selten.


KV 241 / KV 274 ev. Pauluskirche Krefeld

Mozarts „Sonate all´Epistola“ entstanden für die Messen im Salzburger Dom. Sie erklangen zwischen den Lesungen der Epistel und des Evangeliums, nach dem das an dieser Stelle eigentlich zu singende Graduale (Wechselgesang von Psalmen / Allelujaversen / Gemeindelied etc.) nicht mehr ausgeführt wurde und durch Instrumentalmusik ersetzt wurde. Diese Stelle wurde vor 1778 schon dafür genutzt, Konzertsätze, Symphoniesätze oder aber auch ganze Werke (Konzerte, Symphonien) neben der Aufführung einer kompletten Messe (Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Agnus Dei) aufzuführen. Dies war allerdings in Salzburg nicht gewünscht, da die Messe mit Epistlesonate, Offertorium/Motette nicht länger als 45 min. zu dauern hätte.
Daher dauern die meisten der 17 Epistelsonaten Mozarts auch nicht länger als drei bis fünf Minuten. Da die meisten Sonaten nicht klar datiert sind, ist es nicht immer klar, für welche Messen Mozart diese Sonaten als Epistelmusik geschrieben hat, bzw. ob sie überhaupt in Verbindung mit einer Messe zu bringen sind.
Die beiden Epistelsonaten, stehen in der Tonart G-Dur, so wie die Messe, sind aber deutlich später entstanden. Das schließt aber nicht aus, dass sie nicht gemeinsam mit der Messe musiziert wurden. Beide Sonaten sind (ohne Wiederholungen) gerade mal 81 bzw. 82 Takte lang und zeigen in dieser sehr kurzen Länge doch den damals typischen Sonatenhauptsatz (Thema I, Thema II, Durchführung, Schluß). Beide Sonaten sind klein besetzt (ohne Bläser und ohne Viola). Die Orgel ist nicht als eigenständiges Instrument geführt, sondern wirklich nur als „Continuobass“.


KV 399 ev. Pauluskirche Krefeld

Mozart hat sich Zeit seines Lebens intensiv mit den Kompositionen alter Meister, Bach, Händel etc., auseinandergesetzt und diese auch bearbeitet – denken wir nur an die Mozartsche Fassung des Messias von Händel. So wundert es nicht, dass er Werke schreibt, die diesen Vorbildern sehr nah sind, wie die Ouvertüre und Fuge in C-Dur für Klavier KV 399. Die Ouvertüre prägen scharf punktierte Rhythmen und eine auf zwei Klaviaturen angelegte Terassendynamik. Damit ist die Ouvertüre für die Orgel geschaffen. Die Fuge ist geprägt von Tonrepetitionen und Figurationen, die sehr an Fugen von Dieterich Buxtehude oder Fugen anderer norddeutscher Barockkomponisten angelehnt. Auffällig ist, dass das Pedal das Fugenthema nicht bringt, sondern sich mit langen Haltenoten oder absteigenden Sechzehntelphrasen ins Spiel bringt. Dieses Werk wurde aufgrund seiner Anlage und Affinität zur Orgel von dem österreichischen Organisten Martin Haselböck für Orgel eingerichtet.


KV 49 ev. Pauluskirche Krefeld

Mozarts „Missa brevis in G“ KV 49 ist im Herbst 1768 in Wien entstanden und ist zum einen seine erste „Missa brevis“ und zum anderen erweitert er hier das übliche „Kirchentrio“ (I. & II. Violine, Cello, Orgel) um eine Viola. Darüber hinaus ist diese „Missa brevis“ nicht wirklich kurz, da sie mit über 470 Takten gesamt deutlich länger ist als die eigentliche „Missa brevis“, die sich meist im Rahmen um 300-350 Takten gesamt bewegt. Besonders an dieser „Missa brevis“ ist auch, dass als einziger der Bass eine wirkliche „Solo-Arie“ („Et in Spiritum sanctum“) hat, normal ist in Missa Brevi, dass die Solisten in den Chorsätzen kurze Solo-Einwürfe haben, aber keine eigenständigen Arien, wie in den sog. „Missa solemnis“, den festlichen Messen, die an den hohen Feiertagen erklungen, während die „Missa brevis“ auch an normalen Werktagen erklingen konnten.
Vermutlich wurde die „Missa brevis in G“ am 03.12.1768 im Wiener Ursulinen- Kloster (ur-) aufgeführt.


Ingo Hoesch

Ingo Hoesch, 1972 geboren, begann seine musikalische Ausbildung mit sieben Jahren am Klavier, die Orgel folgte bald. Bereits mit 13 Jahren übernahm er erste kirchenmusikalische Dienste in der Gemeinde Gyhum. Mit 16 leitete er zwei Kirchenchöre (Gyhum bei Zeven, Rhade bei Zeven). Von 1986 an bekam er privaten Klavierunterricht bei Peter Knaak (Dozent an der Bremer Hochschule) sowie Orgelunterricht bei Kantor Herbst (Selsingen) und Kantor Steegen (Bremervörde). Nach seiner kirchenmusikalischen D-Prüfung folgte 1994 seine C-Prüfung bei Martin Bruchwitz. Weitere Studien führten ihn nach Düsseldorf zu Prof. Volker Hempfling, Christoph Schoener und Prof. T. Laux. Im Jahr 2000 machte er sein A-Diplom. Es schlossen sich private Studien bei Prof. Jean Ferard (Conservatoire Royal de Bruxelles) an, während derer er sich ausführlich mit der Musik Grigny´s, Couperins, Durufles und Messiaen beschäftigte.
Von 1992 bis 1995 war Hoesch Kirchenmusiker auf der Nordseeinsel Föhr. Neben der Gottesdienstgestaltung organisierte und spielte er regelmäßig Orgel- und Kammerkonzerte. Von 2001 bis 2011 war er Kreiskantor für den Kirchenkreis Wesermünde-Nord und hier für die musikalische Fachaufsicht zuständig. Seit 2012 ist er als Kantor in der Ev. Kirchengemeinde Meerbusch tätig. Neben seiner Arbeit verfolgt er eine rege Konzerttätigkeit und hat u.a. die gesamten Orgelwerke von Dieterich Buxtehude in sieben Konzerten innerhalb einer Festwoche in Dorum und Holßel aufgeführt und spielte gemeinsam mit Prof. Torsten Laux (vierhändig). Hoesch hat mehrere CDs eingespielt.