KV 543 Langenfeld (Rhld)

Datierungen zufolge soll Mozart seinen letzten sinfonischen Zyklus – die Sinfonien Nr. 39, 40 und 41 – innerhalb nur weniger Wochen im Sommer 1788 komponiert haben. Diese Werke stellen eine weitere Stufe in seinem sinfonischen Schaffen dar – vor allem im Sinne der verwendeten kompositorischen Mittel wie auch des Formaufbau. Es sind spürbare längere und inhaltlich komplexere Kompositionen als seine vorherigen Werke dieser Gattung, die bereits kurz vor Beethovens Sinfonien stehen und diese in erheblichem Maße vorbereiten.
Die Sinfonie wird mit einer langsamen und monumental wirkenden Einleitung Adagio eröffnet und lässt die Haupttonart Es-Dur – die Tonart der zukünftigen „Eroica-Sinfonie“ Beethovens – prächtig erklingen. Die im Orchester mitbesetzten zwei Hörner, zwei Trompeten und Pauken tragen zur Entstehung dieses Eindrucks sofort bei.
Der erste Satz Allegro fängt mit einem leicht und schwingend erscheinenden Thema im Dreivierteltakt an – darin lässt sich etwas Tänzerisches, Walzerähnliches heraushören. Doch gleich wird sich das zweite Element des Hauptthemas behaupten – äußerst energisch und lebensbestätigend, auch etwas heroisches (der Dreier-Rhythmus stimmt wieder mit dem im Kopfsatz der Beethoven‘schen „Eroica“ überein) – und den Satz somit stimmungsmäßig dominieren. Der sanft beginnende zweite Satz Andante con moto sorgt für einen auffälligen Kontrast und bringt sofort zärtliche Ruhe mit sich. Mozarts generell immer kontrapunktischer werdende Musiksprache hinterlässt hier deutliche Spuren, in dem verschiedene Elemente des Themas polyphon behandelt werden und somit alle Stimmen der Partitur gleichbedeutend zur Geltung kommen lassen. Aber auch in dieser von warmen Gefühlen durchdrungenen Musik treten zwischendurch einige dramatische Episoden hervor – in Moll, dynamisch stark und mit markiert punktierter Rhythmik, was quasi die Schattenseite der in diesem Satz vorherrschenden Ruhe darstellt und in die im Verborgenen befindlichen Sorgen des Komponisten tiefer blicken lässt.
Der dritte Satz Menuetto ist ein für den Mozart‘schen sinfonischen Zyklus typisches Intermezzo. Der fröhliche, markige und schwungvolle Hauptteil wird von einem ruhig fließenden, schlicht-schönen Trio komplettiert.
Im vierten Satz – Finale – strömt die unbändige Energie wieder. Im flotten Zweivierteltakt kreiselt das Hauptthema. Angefangen leicht und leise in den ersten Violinen, wächst sie dann zu einem klangvollen Tutti und sorgt für die Wiederherstellung der im ersten Satz der Sinfonie etablierten energischen, teils sogar heroischen Grundstimmung. Die polyphone Verarbeitung des thematischen Materials wird fortgesetzt und liefert ein weiteres ein tolles Beispiel einer ausgeglichen gestalteten bzw. behandelten Orchesterbesetzung.

Ob es zu einer Uraufführung dieser Sinfonie, wie auch aller drei letzten Sinfonien Mozarts, zu den Lebzeiten des Komponisten kam, ist unbekannt. Belegt ist das nicht. Der Zeitraum, innerhalb dessen diese Werke entstanden sind, wurde sein Leben von zunehmenden finanziellen Sorgen, Enttäuschungen und sogar Verzweiflung geprägt. Umso bewundernswerter sind die menschenoffen und lebensgewandt wirkenden Klänge dieser Musik, die von einem stakten künstlerischen Willem zeugt, trotz allem weiter zu komponieren und Trost und Kraft in der schönen Tonkunst zu schöpfen.


KV 543, Sinfonie Nr. 39 Es-Dur
Orchester: Sinfonieorchester Bergisch Gladbach
Leitung: Roman Salyutov
Aufnahme am 3. Oktober 2021 in der Kultur- und Bildungsstätte Schauplatz, Langenfeld (Rhld)

KV 543, Sinfonie Nr. 39 Es-Dur
KV 543, Sinfonie Nr. 39 Es-Dur, Adagio
KV 543, Sinfonie Nr. 39 Es-Dur, Andante con moto
KV 543, Sinfonie Nr. 39 Es-Dur, Menuetto Allegretto
KV 543, Sinfonie Nr. 39 Es-Dur, Finale Allegro