Ratssaal Bensberg

Die Reihe "Bensberger Konzerte" wurde 2010 etabliert und ist im Ratssaal Bensberg beheimatet. Im Rahmen dieser Konzertserie finden solistische und kammermusikalische Veranstaltungen statt. Als Träger tritt der Förderverein der Volkshochschule Bergisch Gladbach auf. Im diesem Konzert präsentierten der Hornist Edward Haspelmann, Violinistin Hannah Müller und Pianist Roman Salyutov Werke von Mozart, Beethoven und Brahms.



KV 396, Fantasie c-Moll
Solist: Roman Salyutov (Klavier)
Aufnahme am 12. Juni 2016 in Bergisch Gladbach, Ratssaal Bensberg

KV 396, Fantasie c-Moll


KV 454, Sonate für Klavier und Violine B-Dur
Solisten: Hannah Müller (Violine), Roman Salyutov (Klavier)
Aufnahme am 12. Juni 2016 in Bergisch Gladbach, Ratssaal Bensberg

KV 454, Sonate für Klavier und Violine B-Dur
KV 454, Sonate für Klavier und Violine B-Dur, Largo, Allegro
KV 454, Sonate für Klavier und Violine B-Dur, Andante
KV 454, Sonate für Klavier und Violine B-Dur, Allegretto

KV 396 Ratssaal Bensberg

Die Fantasie KV 396 ist mit dem Jahr 1782 datiert und stellt ein Fragment einer Violinsonate dar, die angeblich im Rahmen einer größeren Sonatensammlung für Mozarts Frau Constanze geplant war. In dieser Zeit setzte sich der Komponist u. a. mit Werken J. S. Bachs auseinander: er studierte sie intensiv und erschloss immer weitere Tiefen der Kunst des Kantors aus der Leipziger Thomas-Kirche. In dieser Hinsicht weist Mozarts Fantasie einige besonders markante Parallelen zu Bachs Klavierwerken. Eine markant improvisatorische Natur dieser Musik, die sich in den umfangreichen, klanglich massiven Arpeggien, rhythmisch entschlossenen, sogar imperativen Wendungen sowie mehreren langen, abgesondert erscheinenden, skalenartigen Tonabfolgen zeigt, mag an die Bach’sche Klavierkunst erinnern.

Diese Arpeggien, dynamisch stark und sich über mehrere Register hinausstreckend eröffnen die Fantasie und bringen zusammen mit der drauffolgenden, deklamatorisch wirkenden punktierten Rhythmik einen ersten Impuls: die Musik drängt in die Stille wie plötzlich ein, schwungvoll und majestätisch. Mit dem entsprechenden Pedalgebrauch vom Basston aus erzielt man eine so gut wie orgelartige Klangpalette – der Klang verbreitet sich gewaltig und füllt den Raum. Danach bringt mit sich das erste Piano einen Kontrast, in dem sich ein anderer Mozart zeigt – mit viel Intimität und trauriger Nachdenklichkeit, die durch die für den Ausdruck von Leid und Schmerz sorgende Chromatik mit vielen Dissonanzen entwickelt wird und am Ende des ersten Abschnitts sogar den Eindruck einer Hoffnungslosigkeit vermittelt.

Doch Mozarts lebensfrohe, aufmunternde Ausstrahlung ist nach dieser markant zum Ausdruck gebrachten Hoffnungslosigkeit nicht verloren gegangen: völlig unerwartet präsentiert sich das zweite Thema als selbstbewusst und entschlossen. Erheblich virtuos gestaltete Tonabfolgen in Doppelterzen in der Melodiestimme verleihen der Musik eine Brillanz, deren Ziel nicht bloß die Schau der Virtuosität, sondern die Markierung und Festigung einer neuen Geste ist – einer Geste, die nach der vorherigen, sich etwas in Resignation auflösenden Phrase, für eine Wiederbelebung der Sinne sorgt.
Der Anfang des mittleren Abschnitts zeichnet sich durch einen herausragenden dramatischen Ansturm aus: flehende, verzweifelte Rufe in der oberen Stimme werden von den drohenden „Schicksalsschritten“ im Bass gewaltig unterdrückt. Der aus Arpeggien bestehenden Begleitung teilt Mozart eine wichtige Rolle zu: wie große stürmische Wellen rollen sie auf und nieder und tragen zur Widerspiegelung der höchsten emotionalen Aufregung entscheidend bei.
Nach diesem unglaublichen Ausbruch kehrt das erste Thema zurück, das die leidenschaftliche Aussage des Komponisten mit beibehaltener Spannung fortsetzt und genauso wie vorher allmählich resigniert. Das zweite Thema im majestätischen C-Dur setzt an dieser Stelle aber kontrastreich ein und schließt das Werk im emotional positiven Ton ab.


KV 454 Ratssaal Bensberg

Im Frühjahr 1784 lernte Mozart die zwanzigjährige Geigerin Regina Strinasacchi kennen, die ihn mal darum bat, in ihrer Akademie zu spielen. Trotz seines vollen Terminkalenders lehnte der Komponisten das nicht ab und schrieb dafür eine neue Violinsonate. Aufgrund der knappen Zeit konnte sogar nicht geprobt werden, aber die Uraufführung war sehr gelungen.
Diese Sonate hat als erste seiner Sonaten eine langsame Einleitung Largo, etwas rezitierend und klanglich sehr gefüllt. Im anschließenden Allegro entwickelt sich ein spannender Dialog zwischen den beiden Solisten: mit viel Schwung und Energie brillieren die virtuosen Läufe und lassen ein buntes, von der Spielfreude geprägtes Bild entstehen. Ein wenig dunkler wird es für einige Augenblicke in der Mitte des Satzes, wo eine schöne Kantilene mit mehreren Seufzer-Motiven für eine rührende Traurigkeit sorgt. Doch am Ende ziehen die dunklen Wolken vorüber, und die Musik klingt in einer fröhlichen und aufmunternden Stimmung.
Der zweite Satz Andante ist der lyrische Mittelpunkt der Sonate, voller Wärme und Herzlichkeit. Keine Brillanz mehr, sondern ein inniges Gespräch der Beiden. Mozarts Fantasie zeigt sich ganz besonders im mittleren Teil, wo durch für seine Zeit ungewöhnlich freie Modulationen romantischer Art deutlich neben aller Intimität und Nachdenklichkeit auch noch leidenschaftliche Sehnsucht spürbar wird.
Den dritten, finalen Satz baut der Komponist in der Rondo-Form mit einem Refrain im Tanzrhythmus einer Gavotte auf. Wieder entfaltet sich ein lebhafter Dialog zwischen den beiden Instrumenten, mit Humor und Lust. Mal ergänzen sie sich, im Einklang stehend, mal werden sie aber wie in einen Wettlauf verwickelt und entreißen einander lebendige brillante Passagen und bringen das Werk zu einem glanzvollen Abschluss.


Hannah Müller

Hannah Müller

Die 1990 in Bergisch Gladbach geborene Violinistin Hannah Müller erhielt ihren ersten Geigenunterricht mit 5 Jahren, studierte bei mehreren namhaften Pädagogen und vervollkommnet zurzeit ihr Können zurzeit an der Universität der Künste Berlin. Sie ist Preisträgerin mehrerer Wettbewerbe und hat ein Repertoire, das von Barock bis Moderne reicht sowie Werke verschiedenster Stils – von Klassik bis Klezmer – einschließt. So trat sie z. B. mit ihrer Klezmerband in Israel beim internationalen Klezmerfestival in Safed mit namenhaften Klezmergrößen auf und nahm Unterricht bei Giora Feidman. Ihre Konzertengagements führen sie in verschiedene europäische Städte und umfassen Auftritte solo und in Kammermusik-Ensembles. Auch bei Dirigenten genießt sie als Solistin einen hervorragenden Ruf.


Roman Salyutov

Roman Salyutov, geboren 1984 in Leningrad, hat sich zugleich als Konzertpianist, Dirigent und Musikwissenschaftler (Dr. Phil.) profiliert.
Seine Auftritte führen ihn neben Deutschland auch in die Schweiz, USA, nach Israel, Österreich, Polen, Litauen, Ungarn, Japan, Australien und Neuseeland. Auch für Meisterkurse und musikwissenschaftliche Vorträge wird er eingeladen. Seit 2017 ist er Professor der Internationalen Klavier-Meisterkurse der Franz-Liszt- Gesellschaft in Breslau, Polen. Roman Salyutov ist Chefdirigent des Sinfonieorchesters Bergisch Gladbach, Initiator vieler Kulturprojekte wie beispielsweise jährliche Internationale Kulturtage und das Jugendkulturfestival in Bergisch Gladbach, das erste Deutsch- Israelische Orchester Jachad Chamber Orchestra und die Produktion von Don Giovanni in Bergisch Gladbach. Er setzt sich aktiv für die Intensivierung des internationalen Kulturaustausches ein und ist darüber hinaus 1. Vorsitzender des Musik- und KulturFestival GL e.V.