Kreuzkirche Chemnitz

Foto: Schmidtfoto Chemnitz
Foto: Schmidtfoto Chemnitz

Eröffnungskonzert des Sächsischen Mozartfestes 2015 Kreuzkirche Chemnitz. Traditionell wird zum Eröffnungskonzert der Mozartpreis der Sächsischen Mozart-Gesellschaft e.V. verliehen. In diesem Jahr erhielt ihn Midori Seiler für ihr verantwortungsvoll wahrgenommenes künstlerisches und pädagogisches Wirken um das Werk Wolfgang Amadé Mozarts.
An diesem Abend gab es weitere Werke von Joseph Haydn und Leopold Kozeluh.



KV 138, Divertimento F-Dur für Streicher
Orchester: Chemnitzer Barockorchester
Leitung: Midori Seiler
Aufnahme am 8. Mai 2015 in der Kreuzkirche Chemnitz

KV 138, Divertimento F-Dur für Streicher
KV 138, Divertimento F-Dur für Streicher, Allegro
KV 138, Divertimento F-Dur für Streicher, Andante
KV 138, Divertimento F-Dur für Streicher, Presto

KV 138 Kreuzkirche Chemnitz

Sie gehört zum Populärsten aus der Feder des jungen Mozart: die Trias der Salzburger Sinfonien. Wolfgang Amadé zeigt sich sowohl auf seinen drei erfolgreichen Italienreisen ab 1769 als auch während der Reisepausen daheim in Salzburg sehr produktiv. 1772 erfindet er, vermutlich um sie während der dritten Italienreise am Mailänder Hof aufführen zu lassen, diese drei Kompositionen für Streicher, die auch Salzburger Divertimenti oder Quartettdivertimenti KV 136- 138 (KV 125a-c) genannt werden.
Das Wort „Divertimento“ im Autograph ist von fremder Hand ergänzt worden und zudem formal nicht korrekt, denn die Werke sind dreisätzig ohne Menuett angelegt. Aus anderem Blickwinkel betrachtet ist diese Gattungsbezeichnung allerdings durchaus „rechtmäßig“, handelt es sich doch um Unterhaltung auf höchstem Niveau. Diese Musik kommt leicht, aber nicht leichtfertig daher. Sie ist augenfällig, aber nicht banal, wirkt schwungvoll, bestimmt in ihrem Tonfall und doch entspannt. Alfred Einstein (1880-1952) deutet die Schwierigkeit an, diese Werke in eine Schublade zu zwängen. Zum einen findet er, es seien „eben keine Opern-Sinfonien, sondern italienische Sinfonien für den Konzertgebrauch“. An anderer Stelle schreibt Einstein, er würde die Werke „eher als italienische Ouvertüren ohne Bläser bezeichnen“. Damit meint er besonders das dieses Programm eröffnende, geradezu schmeichelnde Divertimento F-Dur KV 138 (KV 125c).
Text: Karsten Blüthgen


Chemnitzer Barockorchester

Das Chemnitzer Barockorchester gründete sich im Dezember 2003 anlässlich eines Benefizkonzertes in der Schlosskirche Chemnitz zu Gunsten der Finanzierung des dortigen Orgelneubaus und für den Elternverein krebskranker Kinder. Seither steht es unter der künstlerischen und organisatorischen Leitung von Ekkehard Hering.
Wichtigster Arbeitsschwerpunkt des Ensembles ist die Beschäftigung mit der Musik des 18. Jahrhunderts unter Berücksichtigung der historischen Aufführungspraxis. Besondere Projekte, wie die Aufführung unbekannterer Kompositionen von sächsischen Barockmeistern, gehören ebenso zur Arbeit des Orchesters.
Eine eigene und von Klassik.com empfohlene CD-Produktion mit italienischer und deutscher Weihnachtsmusik sowie zahlreiche Einladungen zu Konzerten im In- und Ausland belegen das hohe künstlerische Niveau des Ensembles. Das Chemnitzer Barockorchester setzt sich aus Musikern der Robert-Schumann- Philharmonie, Freischaffenden der Chemnitzer Region und gleichgesinnten Musikern aus ganz Deutschland zusammen.


Midori Seiler

Midori Seiler, Foto: Maike Helbig

Midori Seiler wuchs in Salzburg auf. Ihre musikalische Ausbildung führte sie weiter nach Basel, London und Berlin. Sie ging bei Musikerpersönlichkeiten mit unterschiedlichsten Profilen in die Lehre: den „modernen“ Geigern Helmut Zehetmair, Sandòr Végh, Adelina Oprean, David Takeno, und Eberhard Feltz sowie den Spezialisten für Alte Musik: Stephan Mai und Thomas Hengelbrock.
Als Mitglied und Konzertmeisterin der Akademie für Alte Musik Berlin erlebte Midori Seiler den internationalen Durchbruch des Ensembles. Zahlreiche CDEinspielungen, auf denen Midori Seiler als Solistin mitgewirkt hat, sind das Ergebnis dieser fruchtbaren Zeit. Unter diesen sticht ihre Aufnahme von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ besonders hervor. Zu ihren vielfach mit Preisen ausgezeichneten CDs zählen Violinkonzerte von Mozart, Rimskij-Korsakoffs „Schehera zade“ sowie ihre Rekonstruktion des verschollenen Violinkonzertes von Bach BWV 1052. Zuletzt erschienen Bachs Partiten für Violine solo, sämtliche Sonaten für Violine und Klavier von Beethoven mit Jos van Immerseel und die Violinkonzerte von Haydn.
Midori Seiler zählt zu den wenigen Spezialisten der historischen Aufführungspraxis, die sich in verschiedenen Epochen heimisch fühlen. Barocke Violinkonzerte – wie zuletzt als Solistin mit dem Tafelmusik Baroque Orchestra Toronto beim Bachfest Leipzig – gehören ebenso zu ihrem Repertoire wie die großen Violinkonzerte von Mendelssohn und Beethoven in Zusammenarbeit mit Originalklangkörpern wie Anima Eterna. Gefragt ist Midori Seiler auch als Leiterin moderner Orchester wie dem Budapest Festival Orchester oder der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen.
Die Künstlerin ist eine passionierte Pädagogin: Seit 2013 leitet sie zusammen mit Jaap ter Linden die Schwetzinger Hofmusikakademie, die sich an junge Musiker richtet und das Repertoire der Mannheimer Höfe umfasst. Sie gab Meisterkurse u. a. in Chemnitz, Brügge, Antwerpen, Weimar und Stuttgart. Von 2010 bis 2013 war sie Professorin für Barockvioline und -viola an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar, seit Oktober 2014 ist Midori Seiler Professorin für Barockvioline und -viola an der Universität Mozarteum Salzburg.