Schloss Proschwitz, Meißen

Schloss Proschwitz, Foto: Sylvio Dittrich
v.l.: Christoph Hammer, Markus Schäfer, Foto: Ania Wagner
Foto: Ania Wagner

Das Motto des Sächsischen Mozartfestes 2016 „Genius und Generationen“ fand sich in dem Konzert am 22. Mai auf Schloss Proschwitz in besonderer Weise widergespiegelt. Anhand der - nur äußerlich - „kleinen“ Form des Liedes wurde eine Reise unternommen durch drei Generationen Mozart. Wolfgang Amadé Mozarts Liedsprache konnte man im zweiten Teil in einem weiteren Rahmen verstehen lernen - wie haben sich Zeitgenossen und Nachfolger dem Lied genähert?
Nach einem anregenden, mit einer Weinprobe verbundenen Spaziergang durch die Weinberge bei Meißen bot der Festsaal auf Schloss Proschwitz den passenden Rahmen für ein Konzertprogramm „... vom küsslichen Mund ...“.



KV 392, Klavierlied `Verdankt sei es dem Glanz'
Solisten: Markus Schäfer (Tenor), Christoph Hammer (Hammerklavier)
Aufnahme am 22. Mai 2016 Schloss Proschwitz, Meißen

KV 392, Klavierlied `Verdankt sei es dem Glanz'


KV 476, Klavierlied `Das Veilchen'
Solisten: Markus Schäfer (Tenor), Christoph Hammer (Hammerklavier)
Aufnahme am 22. Mai 2016 Schloss Proschwitz, Meißen

KV 476, Klavierlied `Das Veilchen'

KV 392 / KV 476 Schloss Proschwitz, Meißen

Die Lieder von Wolfgang Amadé Mozart verlangen in der Ausführung eine besondere Kunstfertigkeit, ein Wissen um das einmal Gesagte, das die genaue Empfindung verlangt. In den drei Liedern aus der Salzburger Zeit um 1780, besonders etwa in „Ich würd auf meinem Pfad“ KV 390, verleiht die äußerst sparsame Begleitung des Tasteninstruments der innigen Gesangslinie eine besondere Konzentration. Bei allem Zugeständnis an Strophenform und Konvention in der Textvertonung ist doch der Genius des Komponisten hier im schnörkellosen, sofortigen Erreichen der durch die Gedichte schimmernden Stimmungen zu sehen, die keinerlei Ornament benötigen, aber genau getroffen sein müssen. Die Lieder „Das Veilchen“, „Das Lied der Trennung“ und „An Chloe“ sind hingegen 1785/1787 in einer sehr produktiven Phase entstanden und vor allem im Kontext der Opern zu verstehen. Besonders „Das Veilchen“ auf einen Goethe-Text scheint eine regelrechte Szene zu eröffnen, „An Chloé“ hingegen überrascht mit fast schubertschen harmonischen Wendungen („sterbend“/“ermattet“) und Stimmungen - trotzdem bleibt jederzeit die feine Leichtigkeit der Linie in der Singstimme erhalten.
Ausschnitt aus Programmtext Proschwitz, Text: Alexander Keuk

Markus Schäfer

Foto: Werner Kmetitsch

Der International renommierte lyrische Tenor Markus Schäfer studierte Gesang und Kirchenmusik in Karlsruhe und Düsseldorf bei Armand Mc Lane. Er war Preisträger in Berlin (Bundeswettbewerb Gesang) und Mailand (Caruso-Wettbewerb). Nach dem Besuch des Opernstudios in Zürich gab er dort sein Debüt und erhielt sein erstes Engagement am dortigen Opernhaus.  Es folgten Stationen als Ensemblemitglied an der Hamburgischen Staatsoper sowie an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf. Nach 1993 freischaffend weltweit tätig. (Komische Oper Berlin; Staatsoper Unter den Linden; Deutsche Oper; Köln; München; Dresdener Semperoper sowie Theater an der Wien, Paris Chatelet, Lyon, Pesaro (Rossini Festival) u.a.
Der weltweit gefragte, vielseitige Tenor hat sich zunächst in Opernpartien des Mozart-Fachs, als Evangelist in den Passionen Johann Sebastian Bachs sowie in den großen Oratorien des 18. und 19. Jahrhunderts einen hervorragenden Ruf erworben; seine enorme Bandbreite und Vielseitigkeit lässt ihn jedoch genauso in spätromantischen sowie modernen und zeitgenössischen Werken zum gefeierten Interpreten werden.
Beispielsweise singt er aktuell Mendelssohns "Lobgesang", 2. Symphonie mit dem Moskauer Staatsorchester unter Pavel Kogan, Beethovens "Missa solemnis" unter Jérémy Rhorer beim Beethoven Festival Warschau, so wie auch ebenfalls dort Alfred Schnittge: "Faust Kantate" unter Alexander Liebreich mit dem Nationalen Polnischen Rundfunkorchester; im Athener Megaron  sang er zur Euromusicale unter Vassilis Christopoulos Beethovens 9. Symphonie;  er war mit dem Belgischen Philharmonischen Orchester unter Leo Hussain  zu hören (Matthäus Passion), wie auch mit dem MDR Rundfunkorchester und Chor im Gewandhaus Leipzig mit Howard Arman und Jun Märkl (Haydns "Jahreszeiten" und Mozart: "Davidde Penitente". Mit dem Berliner Ensemble United führte er die Zender-"Wintereise" (Bearbeitung für Orchester ) unter Vladimir Jurowski auf; im Konzerthaus Berlin wird er bei der Aufführung  der modernen Oper "Medea" von Georg Katzer mitwirken.
Gleichzeitig ist er bevorzugt mit Orchestern auf "historischen Instrumenten " unterwegs, wie aktuell mit Anima Eterna aus Brügge unter Jos van Immerseel  (Beethoven : "9. Symphonie" und Mozart "Requiem"); Nederlandse Bachvereniging unter Lars Ulrik Mortensen (BWV 156 "Ich steh mit einem Fuß im Grabe"); Rheinische Kantorei und Orchester unter Hermann Max ("Hochzeitskantate", Telemann und "Elias" von Mendelssohn, beide für CPO eingespielt); dem Concerto Köln unter Laurence Equilbey ("Johannes Passion", Bach), um nur die aktuellen aufzuzeigen.
Als Liedinterpret feiert Markus Schäfer große Erfolge weltweit: in Australien trat er in der Melbourne Recital Hall sowie beim Townsville AFCM Kammermusik Festival auf, jeweils  mit dem renommierten Pianisten Piers Lane, mit dem er auch zukünftig wieder in der Wigmore Hall in London auftreten wird (Schubert recital); er wird im weltberühmten Lockenhaus Kammermusik Festival in Österreich auftreten (mit Alexander Lonquich und Sigfried Mauser, Klavier); mit Andras Schiff war er u.a. mit Schumann: "Der Rose Pilgerfahrt" in Gstaad zu hören; seine Doppelaufnahme der "Schönen Müllerin" (von Ernst Ludwig Berger und Franz Schubert ), begleitet am Hammerflügel von Tobias Koch, war bereits vielerorts zu hören und wird als CD erscheinen. Er war bereits zu Gast bei den "Schubertiaden" Schwarzenberg und Ettlingen sowie im Lincoln Center New York, dem Eklat Festival Stuttgart  und vielen anderen.
Zahlreiche preisgekrönte CD-Aufnahmen, (Grammy für Matthäus-Passion mit Harnoncourt), DVDs wie z.B. von der Haydn Oper "Il Mond della luna" (ebenfalls Harnoncourt  und concentus musicus) dokumentieren das breite Spektrum seines Könnens, das  auch Uraufführungen zeitgenössischer Musik beinhaltet (Rihm und Killmayer : "Anakreon"u.a.).  Jüngst erschienene CD Produktion ist eine Gesamteinspielung der Lieder von Peter Cornelius beim BR für das label NAXOS.
Seit 2008 ist er Gesangsprofessor an der HMTM Hannover.


Christoph Hammer

Foto: Ania Wagner

Christoph Hammer zählt zu den profiliertesten und vielseitigsten Musikern der historischen Aufführungspraxis. Er ist Dirigent, Pianist, Cembalist und Musikwissenschaftler. Als Solist, Liedbegleiter und Kammermusiker genießt er einen internationalen Ruf. Zudem wirkt er auch vermehrt als Operndirigent. Regelmäßige Zusammenarbeit verbindet ihn mit Ensembles wie dem Concerto Köln, L'Orfeo, Nederlands Kammerorkest, Prager Kammerorchester. Ein Gleiches gilt für die Arbeit mit namhaften Gesangs- und Instrumentalsolisten wie Emma Kirkby, Rufus Müller, Martin Bruns, Jan Kobow, Axel Köhler, Dominik Wörner, Anton Steck, Reinhold J. Buhl, Guido Larisch, Martin Sandhoff, Florian Deuter und anderen. Zahlreiche Aufnahmen und Ersteinspielungen wurden durch ihn realisiert. 2002 wurde ihm für seine vielfältige Tätigkeit im Bereich der Alten Musik der Kulturförderpreis des Freistaats Bayern verliehen, 2004 der Anerkennungspreis der Bayerischen Volksstiftung. 2003 gründete er als künstlerischer Leiter das Festival „Residenzwoche München“. Neben etabliertem Konzertrepertoire widmet sich Hammer vor allem auch der Wiederbelebung weniger bekannter Komponisten und der Erforschung und Edition ihrer Werke. Von 2009 bis 2013 war Christoph Hammer Professor für historische Tasteninstrumente an der University of North Texas, USA, seit Sommer 2013 lehrt er am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg.