KV 292 Schloss Morsbroich Leverkusen

Als Mozart 1774 von dem Grafen Seeau – Musikintendant des bayrischen Kurfürsten Max III. Joseph – den Auftrag erhalten hat, für den kommenden Karneval in der bayerischen Hauptstadt eine opera buffa zu schreiben (La finta giardiniera) war ihm nicht bekannt, dass in München einige ganz hervorragende Fagottisten, so auch in der Hofkapelle tätig waren. Diese beiden Instrumentalisten zählten zu den virtuosesten Spielern in Europa, aber auch ein Laie wie Freiherr Thaddäus von Dürnitz (1756-1807) war zu beachten, der bei berühmten Komponisten Solowerke in Auftrag gab, wie auch selber komponierte.
Mozart hatte dem Baron Dürnitz bei seinem München-Aufenthalt 1774/1775 die Klaviersonate KV 284 persönlich gewidmet. Im Katalog der mittlerweile zerstreuten Dürnitzschen Musikaliensammlung sind zwar manche Kompositionen von Mozart zu finden, aber ausgerechnet keine für Fagott. (siehe A. Scharnagl: Freiherr Thaddäus von Dürnitz und seine Musikaliensammlung, Tutzing 1992). Da weitere Indizien fehlen, bleiben Entstehungszeit und -ort der vorliegenden Sonate bis heutzutage ungewiss.
Obwohl dieses Werk allgemein in seiner für Fagott und Violoncello in den Veröffentlichungen um 1800 bekannt ist, - s. Drucklegungen der Verlage Breitkopf & Härtel 1805 in Leipzig wie auch bei Hummel 1814 in Berlin (im Verlagskatalog von 1802 wird es aber gar nicht aufgeführt) wird es von Musikwissenschaftlern als ursprünglich für 2 Fagotte angesehen. Dies erscheint auch wahrscheinlicher als die ursprüngliche Instrumentierung, denn zu Mozarts Zeiten sind Duos, Trios und Quartette für zwei und mehr Blasinstrumente sehr beliebt und üblich gewesen.
Die Fassung in einer Instrumentierung für Klarinette und Bassetthorn stellt die authentische Gesamtkonzeption – s. Autograph - überhaupt nicht in Frage, ganz im Gegenteil, gerade auch an den deutschen Höfen sowie besonders in Böhmen, Prag, und Wien war die Besetzung mit den damals relativ neuen um 1700 geschaffenen Instrumenten Klarinette, Bassettklarinette und Bassetthorn, die Mozart in Mannheim kennen- und liebengelernt hatte, ein interessantes Novum. Er selber als Freimaurer wie auch vele namhafte Komponisten und berühmte Instrumentalvirtuosen haben diese Periode zu ihrem persönlich-materiellen Vorteil zu nutzten verstanden, um altgestandene Besetzungsformen innovativ zu präsentieren, Klarinette und Bassetthorn wurden zu „aufklärerischen“ Klangelementen in der Maria-Theresianischen Zeit.



KV 292, Sonate B-Dur
Solisten: Stephan Kronthaler (Klarinette), Matthias Höfer (Bassetthorn)
Aufnahme am 22. Oktober 2017 im Schloss Morsbroich, Leverkusen

KV 292, Sonate B-Dur
KV 292, Sonate B-Dur, Allegro
KV 292, Sonate B-Dur, Andante
KV 292, Sonate B-Dur, Allegro