Büroland GmbH, Chemnitz

Das Foyer der Büroland GmbH Chemnitz, ausgestattet mit einer Eventtreppe, bot am 17. Mai 2017 den ungewöhnlichen Rahmen für ein Konzert innerhalb des 26. Sächsischen Mozartfestes. Das Thema des Festivals, Mozart und Böhmen, nahm das renommierte Leipziger Streichquartett zum Anlass für ein Programm mit Werken des großen tschechischen Komponist Antonín Dvorák und seines Vorbilds Wolfgang Amadé Mozart. Dass beide Komponisten im Genre des Streichquartetts Exzeptionelles schufen, zeigte dieser spannende Konzertabend, bei dem sowohl Dvoráks berühmtes „Amerikanisches Streichquartett“ als auch das „Jagdquartett“ von Mozart zu Gehör kamen.



KV 80, Streichquartett G-Dur
Orchester: Leipziger Streichquartett
Solisten: Conrad Muck (1. Violine), Tilman Büning (2. Violine), Ivo Bauer (Viola), Matthias Moosdorf (Violoncello)
Aufnahme am 17. Mai 2017 im Foyer der Büroland GmbH, Chemnitz

KV 80, Streichquartett G-Dur
KV 80, Streichquartett G-Dur, Adagio
KV 80, Streichquartett G-Dur, Allegro
KV 80, Streichquartett G-Dur, Minuetto
KV 80, Streichquartett G-Dur, Rondeau - Allegro


KV 458, Streichquartett B-Dur
Orchester: Leipziger Streichquartett
Solisten: Conrad Muck (1. Violine), Tilman Büning (2. Violine), Ivo Bauer (Viola), Matthias Moosdorf (Violoncello)
Aufnahme am 17. Mai 2017 im Foyer der Büroland GmbH, Chemnitz

KV 458, Streichquartett B-Dur
KV 458, Streichquartett B-Dur, Allegro vivace assai
KV 458, Streichquartett B-Dur, Menuetto - Moderato
KV 458, Streichquartett B-Dur, Adagio
KV 458, Streichquartett B-Dur, Allegro Assai

KV 80 Büroland GmbH, Chemnitz

Das Streichquartett G-Dur KV 80 ist mit „1770. le 15 di Marzo alle 7. di sera“ sogar auf die Stunde exakt datiert. Sein Beiname „Lodi-Quartett“ verweist auf den Entstehungsort in Oberitalien. Das Werk des 14-Jährigen, geschrieben vor den sechs „Italienischen Quartetten“ (1772/1773), stellt den ersten ernsthaften Impuls dar, Gattungsgeschichte mitzuschreiben, wenngleich mit lebhafter Unterstützung durch Vater Leopold. Ursprünglich dreisätzig und nach Art der italienischen Sonata da chiesa mit einem langsamen Satz beginnend, erweiterte Mozart das Quartett zwei Jahre später um ein französisches Rondo zur klassischen Viersätzigkeit. Lange galt die abwertende Meinung des italienischen Komponisten und Lehrers Giovanni Battista Sammartini (1700-1775) angesichts der Heterogenität dieses Quartetts, die durch die Rondo-Ergänzung noch zunahm. Die jüngere Forschung sieht es anders, Ludwig Fischer gar einen „bewussten Versuch“ Mozarts, nationale Stile zu vermischen.

Karsten Blüthgen


KV 458 Büroland GmbH, Chemnitz

Mozart begann mit der Arbeit an dieser wiederum sechs Werke umfassenden Gruppe im Dezember 1782 und schloss sie im Januar 1785 ab. Noch im selben Jahr ging sie in Druck, versehen mit einer Widmung an den Logenbruder und „väterlichen“ Freund Joseph Haydn. Ausgangspunkt war Mozarts intensive Beschäftigung mit Haydns sechs Quartetten op. 33, die sich in einem spürbar verfeinerten Gefühl und höherer stilistischer Souveränität niederschlug. Mit den „Haydn-Quartetten“ hatte Mozart seinen eigenen Quartett-Stil gefunden. Viel zitiert ist das Bonmot, das Haydn dem Vater Leopold mitgab: Wolfgang sei der „größte Componist“, den er „von Person und Namen nach kenne“.
Der Komponist selbst nannte diese Quartette in der auf Italienisch verfassten Widmung „frutto di una lunga, e labriosa fattica“ (die „Frucht einer langen und mühevollen Arbeit“) und könnte dabei speziell an das Streichquartett B-Dur KV 458 gedacht haben. Nachdem im Frühsommer Menuett und etwa die Hälfte des Kopfsatzes geschrieben waren, gingen Mozart offenbar die Ideen aus. Erst ein reichliches Jahr später konnte er das Quartett vollenden – eine ungewöhnlich lange Zeitspanne, die auch insofern erklärbar ist, als Mozart mit Unterrichten sowie dem Schreiben und Interpretieren eigener Klavierkonzerte reichlich ausgelastet war. Die lange Entstehungszeit zahlte sich insbesondere für das Violoncello aus, das nun völlig gleichberechtigt am „Gespräch“ mit vier Stimmen teilnimmt. Besonderen Genuss dafür bietet das Adagio, wo es zu einem bezaubernden Zwiegesang mit der ersten Violine anhebt. Seinen Beinamen „Jagdquartett“ verdankt das Werk den Assoziationen, die in den ersten Takten geweckt werden.

Karsten Blüthgen


Leipziger Streichquartett

vl: Ivo Bauer, Tilman Büning, Matthias Moosdorf, Conrad Muck

Das Leipziger Streichquartett: Conrad Muck (1. Violine), Tilman Büning (2. Violine), Ivo Bauer (Viola), Matthias Moosdorf (Violoncello), zählt zu den gefragtesten und vielseitigsten Ensembles unserer Zeit. 1989 gegründet, waren drei seiner Mitglieder als Stimmführer im weltbekannten Gewandhausorchester tätig, bis sie 1993 auf eigenen Wunsch ausschieden, um sich ausschließlich dem Quartettspiel zu widmen. Studien bei Gerhard Bosse in Leipzig, dem Amadeus-Quartett in London und Köln, bei Hatto Beyerle in Hannover und bei Walter Levin gingen dem voraus. Viele Preise und Auszeichnungen hat das Leipziger Streichquartett bisher erhalten: 1991 gewann es den renommierten Internationalen-ARD-Wettbewerbs in München und erhielt den Gebrüder-Busch-Preis. 1992 wurde es mit dem Förderpreis des Siemens-Musikpreises ausgezeichnet und erhielt Stipendien des Amadeus Scholarship Fund und der Stiftung Kulturfonds.
Seit November 1991 gestaltet das Quartett seine eigene Konzertreihe „Pro Quatuor“ in Leipzig. Eine rege Konzerttätigkeit führte das Quartett bisher in mehr als 40 Länder Europas, Nord- und Südamerikas, Afrikas, Asiens sowie nach Australien, Japan und Israel. Viele namhafte Festivals im In- und Ausland und eigene thematische Zyklen (z.B. zu Schubert, zu Bach, zu Stationen der Moderne, Mozart und Mendelssohn u.a.) stehen regelmäßig auf dem Konzertplan des Ensembles. 2002 waren die Leipziger Musiker z.B. „Quartet in residence“ im Auditorio Nacional in Madrid. Seit 1992 nimmt das Leipziger Streichquartett exklusiv für die Musikproduktion Dabringhaus und Grimm auf. Die über 80 CD-Einspielungen - darunter Gesamteinspielungen der Streichquartette von Adorno, Beethoven, Berg, Brahms, Dessau, Mendelssohn, Mozart, Schönberg, Webern - werden von der Fachkritik hoch geschätzt. Zeichen dafür sind die Auszeichnungen mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik, dem Diapason d’Or, dem Premio CD-Compact, zwei Nominierungen für den Cannes Classical Award, fünf ECHO Klassik-Preise 1999, 2000, 2003, 2008 und 2012, der amerikanische Indie-Award 1999 und 2000, der Supersonic Award 2007 u.a. Eine neun CDs umfassende, erstmalig vollständige Aufnahme aller Quartette von Franz Schubert wurde 1997 abgeschlossen und galt nach Meinung vieler Experten als bedeutendste Edition zum Schubert-Jahr 1997.
Musikalische Partner des Ensembles wie die Pianisten Alfred Brendel, Menahem Pressler, Andreas Staier und Christian Zacharias, die Cellistin Sol Gabetta, der Bariton Olaf Bär, der Klarinettist Karl Leister oder der „King of Klezmer“, Giora Feidman, bereichern das umfangreiche Repertoire, das etwa 300 Werke von 100 Komponisten umfasst. Dass dabei der stilistisch differenzierte Zugang zu jedem Komponisten eine außerordentliche Rolle spielt, ist für die vier Quartettmusiker selbstverständlich. Zahlreiche Streichquartette hat das Leipziger Streichquartett bis heute uraufgeführt, darunter Werke so namhafter Komponisten wie Wolfgang Rihm, Cristóbal Halffter, Beat Furrer, Bernd Franke u. a.
Das Leipziger Streichquartett gehörte zu den Initiatoren des Beethoven-Streichquartett-Zyklus als Zeichen europäischer Freundschaft, der 1996/97 sechs renommierte Streichquartette in 15 europäische Musikzentren zusammenführte. Auf Einladung von Claudio Abbado ist das Leipziger Streichquartett seit 2009 Mitglied im Lucerne Festival Orchestra. An der Tokyo University of the Arts hat das Quartett eine Gastprofessur. Im Januar 2016 hat Conrad Muck die Position des Primarius im Leipziger Streichquartett übernommen. Die Villa Koerner in der Chemnitzer Beyerstraße gilt als eines der bedeutendsten Bauwerke Henry van de Veldes. Im zweiten Weltkrieg stark beschädigt und in der Öffentlichkeit beinahe in Vergessenheit geraten, erstrahlt das Haus nach liebevoller Renovierung seit 2001 in neuem Glanz und bietet Büroräume für mehrere Firmen.
Bereits mehrfach hat die Sächsische Mozart-Gesellschaft e. V. den Eingangsbereich mit anschließender möblierter Diele, der wieder in den Originalzustand versetzt wurde, für ihre Haus- und Villenkonzerte genutzt.
Innerhalb des Sächsischen Mozartfestes 2017 fand am 18. Mai ein Konzertabend in der Villa Koerner statt, der sich an musikalischen Themen und Ausdrucksformen von Wolfgang Amadé Mozart orientierte und in dem Improvisation und Komposition – in klassischer Jazz-Trio-Formation – miteinander verschmolzen.
Stand 1/2016