Zeughaus Neuss

Im 54. Konzert junger Künstler wurden neben Mozart Werke von Georg Friedrich Händel, Francois Devienne und Joseph Haydn im Zeughaus Neuss aufgeführt.



KV 219, Konzert für Violine und Orchester Nr. 5
Orchester: Neusser Kammerorchester
Solistin: Akiyo Fujiwara (Violine)
Leitung: Joachim Neugart
Aufnahme am 2. Dezember 2018 im Zeughaus Neuss
Tontechnik: Frank Kirsch, Kaarst

KV 219, Konzert für Violine und Orchester Nr. 5
KV 219, Konzert für Violine und Orchester Nr. 5, Allegro aperto
KV 219, Konzert für Violine und Orchester Nr. 5, Adagio
KV 219, Konzert für Violine und Orchester Nr. 5, Rondeau: Tempo di Menuetto

KV 219 Zeughaus Neuss

Seitdem schon der erst sechsjährige Wolfgang Amadeus Mozart eine kleine Geige als Geschenk erhalten hatte, bestimmte dieses Instrument – neben dem dominierenden Klavier – ganz wesentlich seinen künstlerischen Werdegang. Zunächst brachte er es auf dieser seiner „Buttergeige“ ohne jeden Unterricht innerhalb weniger Wochen zu einer Fertigkeit, die seinen ahnungslosen Vater zu „Tränen der Bewunderung und des Trostes“ rührte. Vater Leopold, einer der bedeutendsten Violinpädagogen seiner Zeit, erteilte seinem Sohn daraufhin auch auf diesem Instrument systematischen Unterricht.
Schon mit zehn Jahren komponierte Wolfgang in Paris sein erstes Violinkonzert, das er der Tochter Adelaide des Sonnenkönigs Ludwig XIV. widmete. Erst 1933 wurde dieses Stück der musikalischen Welt bekannt. Mit 13 Jahren übernahm Mozart dann – zunächst inoffiziell – das Amt des Konzertmeisters des von seinem Vater geleiteten Salzburger Orchesters. Als 19-jäh-riger schrieb er und spielte er dann schon zwischen April und Dezember 1775 seine fünf bedeutenden frühen Violinkonzerte, deren letztes das heute erklingende A-Dur-Konzert ist. Noch zwei weitere Violinkonzerte folgten später nach, bis ab 1780 „die Violine am Nagel hängt“ - zum großen Leidwesen des Vaters, der ihm noch 1777 geschrieben hatte: „Du weißt selbst nicht, wie gut Du Violine spielst!
Besondere Vertrautheit mit diesem Instrument lässt auch das A-Dur-Konzert in allen Sätzen deutlich werden. Dabei weisen vor allem die beiden Ecksätze sehr reizvolle formale bzw. gehaltliche Besonderheiten auf. So lässt Mozart im Kopfsatz nach der Orchester-Exposition beider Hauptthemen – das erste charakterisiert durch federnd leicht aufsteigende Dreiklangs-Partien, die in schärfere forte-Schläge münden, das zweite eher spielerisch und tänzerisch – den Solisten zunächst mit einem neuen ausdrucksstarken Adagio-Thema einsetzen. Nach plötzlichem Tempo- und Stimmungs-Umschlag spielt der Solist dann auf der Begleitbasis des ersten Orchesterthemas ein weiteres Allegro-Thema, das mit dem der Exposition identisch ist, und fügt sich so in die gemeinsame musikalische Gestaltung ein, nicht ohne alle Gelegenheiten zu nutzen, seine virtuosen Fähigkeiten voll auszuspielen. Den Höhepunkt erreicht dies in der vor der Coda des Satzes eingefügten Solokadenz, zu der allerdings keine Vorlage Mozarts existiert: Er hatte sie selbstverständlich improvisiert.

Der Mittelsatz des Konzerts - ausdrucksmäßig erstaunlich tieflotend - zeigt eine auffallend geschlossene, im Grunde monothematische Anlage: Aus einem ohne Begleitung von der Violine intonierten Themenkopf gewinnt zunächst das Orchester und dann der Solist immer neue, tonal und harmo-nisch wechselnde, teilweise sehr weitbogige kantable Varianten und Fortspinnungen, die im Rahmen einer Reihungsform erklingen. Auch hier steht am Ende des Satzes wieder eine virtuose Solokadenz.

Das Schluss-Rondo beginnt überraschend als gravitätisch galantes Menuett und kehrt zu diesem als Refrain einer klaren Rondoform auch immer wieder zurück. In seinen Couplets nimmt der Satz dann wechselnd virtuosere Züge an und gewinnt schließlich in einem breiteren Allegro-Teil in a-Moll sogar ein fremdländisch-folkloristisches Profil: Nach einer „ungaresken“ Einleitung folgt nämlich ein „allaTurka“, das Mozart zuvor schon in seiner 1772 komponierten Ballettmusik zu „Lucio Silla“ verwendet hatte.
Nach diesem überraschenden Exkurs wendet sich der Satz – als sei nichts geschehen – wieder zum Menuett-Rondo zurück und unterbricht dieses höfische Tanzzeremoniell nicht einmal durch eine Solokadenz.
(Wilhelm Schepping)


Akiyo Fujiwara

Akiyo Fujiwara wurde 1991 in Japan geboren. Sie studierte in Tokyo und setzt zur Zeit ihre Ausbildung an der Universität der Künste in Berlin bei Prof. Nora Chastain fort. 2012 gewann sie in Wien den 2. Preis beim internationalen Beethoven-Wettbewerb. Sie erhielt 2017 mehrere Stipendien während ihrer Studienzeit in Japan, unter anderem von der YA-MAHA music scholarship. 2017 wurde sie als Solistin zusammen mit dem Neusser Kammerorchester in Tokyo mit einem Mozart-Programm verpflichtet. Im heutigen Konzert findet diese Zusammenarbeit ihr Fortsetzung.

 

Neusser Kammerorchester

Neusser Kammerorchester

Das Neusser Kammerorchester wurde 1957 von Prof. Dr. Wilhelm Schepping gegründet und feiert in diesem Jahr seinen 60sten Geburtstag. Ziel der Orchesterarbeit war seit Beginn, besonders talentierte junge einheimische Instrumentalisten durch anspruchsvolle Orchester-, Kammermusikund Soloerfahrungen möglichst intensiv zu fördern. Die Reihe „Konzerte Junger Neusser Künstler“, die jeweils im Winterkonzert fortgesetzt wird, wurde bereits 1965 begonnen. Nach 30 Jahren unter dem Dirigat von Wilhelm Schepping mit Konzertauftritten in Deutschland, Belgien, Frankreich, Polen, Spanien, Kenya und Sambia, mehreren Rundfunk- und später auch Fernsehaufzeichnungen, sowie zwei internationalen ersten Preisen, übernahm Karl Kühling 1988 die Leitung des Orchesters. Unter seinem Dirigat wurde das Neusser Kammerorchester 1991 Landessieger des NRW-Orchesterwettbewerbs in Bielefeld und errang beim anschließenden dritten deutschen Orchesterwettbewerb den zweiten Platz. Ab 1995 unternahm Karl Kühling mit dem Orchester Konzertreisen nach Spanien, Griechenland, Belgien und Luxemburg.
1999 begann Joachim Neugart, Münsterkantor am Quirinusmünster Neuss die Zusammenarbeit mit dem NKO. An der Musikhochschule Saarbrücken zum Kirchenmusiker ausgebildet und als Organist preisgekrönt, war Neugart neben seinem Kantorenamt sechs Jahre lang als Dozent für Chorleitung und Leiter des Hochschulchores am Gregoriushaus Aachen tätig. Wie erfolgreich er die inzwischen 60-jährige Tradition des Neusser Kammerorchesters weiterführt, belegen nicht nur zahlreiche Orchesterkonzerte, sondern auch diverse in Kooperation mit dem Neusser Münsterchor durchgeführte oratorische Aufführungen und mehrere CD-Einspielungen.
Konzertreisen unter Joachim Neugart führten das Orchester 2002 nach St. Paul (USA) und im Rahmen des Deutschlandjahres in Japan 2005 nach Tokio, Hamamatsu und Kyoto. Im Oktober 2007 fand die zweite USA-Tournee statt, bei der das Orchester neben der Neusser Partnerstadt St. Paul diesmal auch Denver, Boulder und Breckenridge besuchte. Anlässlich des ebenfalls in diesem Jahr anstehenden 50-jährigen Jubiläums fand im Mai 2007 im Zeughaus Neuss eine Jubiläumsmatinee statt, bei der das Orchester, verstärkt durch ehemalige Mitspieler der vergangenen fünf Jahrzehnte, in drei unterschiedlichen Besetzungen und mit allen seinen drei bisherigen Dirigenten auftrat. Es folgten in den letzten Jahren zahlreiche Konzerte in NRW, 2010 eine erneute Konzertreise in die USA, 2011 eine Konzerttournee nach Meißen und Dresden, 2013 nach Australien und Neuseeland, 2014 nach Sardinien, 2015 nach Krakau, 2016 nach Kroatien und im Herbst 2017 nach Japan.


Joachim Neugart

Joachim Neugart

Joachim Neugart wurde 1960 geboren. Nach Studien an der Kirchenmusikschule Speyer und an der Musikhochschule des Saarlandes ist er seit 1988 als Münsterkantor am Quirinusmünster Neuss für die Kirchenmusik zuständig. Hier obliegt ihm die Leitung der Chöre an dieser traditionsreichen romanischen Basilika (Münsterchor, Kammerchor Capella Quirina). Von 1989-1996 war er außerdem Dirigent des Moerser Kammerchores. Von 1994 bis 2001 hatte er einen Lehrauftrag für Dirigieren an der Kirchenmusikschule St. Gregorius-Haus in Aachen. Unter seiner Leitung gab der Kammerchor der Kirchenmusikschule vielbeachtete Konzerte im Rheinland und unternahm Konzertreisen nach Österreich, Tschechien und Ungarn. Gastdirigate führten ihn u. a. zur „Choral Arts Society“ nach Tokyo. Seit 1999 ist er Dirigent des Neusser Kammerorchesters und seit 2002 Dirigent des Schönhausenchores Krefeld. Darüber hinaus wirkte er von 2003 - 2006 als Lehrbeauftragter für Chorleitung an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf. Chorleiterkurse in Deutschland und Japan sowie CD-Einspielungen als Dirigent und Organist geben darüber hinaus Zeugnis von Joachim Neugarts vielseitiger musikalischer Tätigkeit.