KV 193, Magnificat C-Dur
Orchester: Russ. Kammerphilharmonie St. Petersburg
Leitung: Bettina Strübel
Ev. Kantorei Leichlingen Konzert 17.11.2002 in der St. Johannes Baptist Kirche
KV 193, Magnificat C-Dur, Satz 1



KV 425, Sinfonie Nr. 36 C-Dur (Linzer Sinfonie)
Orchester: Russ. Kammerphilharmonie St. Petersburg
Solisten: Michaela Krämer (Sopran), Irmelin Sloman (Sopran), Kay Immer (Tenor), Wolfgang Georg (Bass)
Leitung: Bettina Strübel
Live-Konzert am 17.11.2002 in Kath. Kirche St. Johann Baptist, Leichlingen
KV 425, Sinfonie Nr. 36 C-Dur, Poco Adagio
KV 425, Sinfonie Nr. 36 C-Dur, Menuetto
KV 425, Sinfonie Nr. 36 C-Dur, Presto



KV 427, Messe c-moll (Große Messe)
Orchester: Russ. Kammerphilharmonie St. Petersburg
Solisten: Michaela Krämer (Sopran), Irmelin Sloman (Sopran), Kay Immer (Tenor), Wolfgang Georg (Bass)
Leitung: Bettina Strübel
Ev. Kantorei Leichlingen Live Konzert 17.11.2002 in der St. Johannes Baptist Kirche
KV 427, Messe c-moll
KV 427, Messe c-moll, Satz 1
KV 427, Messe c-moll, Satz 2
KV 427, Messe c-moll, Satz 3
KV 427, Messe c-moll, Satz 4
KV 427, Messe c-moll, Satz 5
KV 427, Messe c-moll, Satz 6
KV 427, Messe c-moll, Satz 7
KV 427, Messe c-moll, Satz 8
KV 427, Messe c-moll, Satz 9
KV 427, Messe c-moll, Satz 10
KV 427, Messe c-moll, Satz 11
KV 427, Messe c-moll, Satz 12
KV 427, Messe c-moll, Satz 13

Michaela Krämer

Michaela Krämer, geb. in Aachen, studierte bis zum erfolgreich absolvierten Staatsexamen zunächst Latein und Russisch an der Kölner Universität. Bald erwies sich die Liebe zur Musik als stärker, und sie nahm schon während dieser Zeit ihr Gesangsstudium an der Musikhochschule Köln bei Heinz Marten auf. Unmittelbar nach der Reifeprüfung erhielt sie das Angebot, als erste Sopranistin dem renommierten Solistenensemble “collegium vocale“ beizutreten. Konzertreisen in alle Erdteile, zahllose Rundfunk– und Schallplattenaufnahmen (zum Teil preisgekrönt) folgten. Michaela Krämer wirkte bei einer Reihe von Festivals mit, so z.B. den Berliner Festwochen, dem Festival Dubrovnik, dem English Bach Festival, dem Warschauer Herbst und den Wittener Tagen für Neue Musik. Sie sang mit bedeutenden Dirigenten und Orchestern. Ihr weitgespanntes Repertoire umfasst das gängige Liedprogramm ebenso wie alle wichtigen Werke der Mess– und Oratorienliteratur. Zahlreiche Uraufführungen avantgardistischer Kompositionen wurden ihr angetragen. Michaela Krämer ist Professorin für Gesang an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf. Mit der Leichlinger Kantorei verbindet sie eine langjährige Zusammenarbeit.

Irmelin Sloman

Irmelin Sloman studierte Schauspiel und Gesang in Kalifornien, USA und setzte ihre Ausbildung an der Westfälischen Schauspielschule Bochum und an der Hochschule für Musik Köln fort. Dort bestand sie 1996 in der Klasse von Frau Prof. Kelly ihre Reifeprüfung „mit Auszeichnung“ und machte 1998 Konzertexamen. Ihre besondere Fähigkeit zu glaubwürdigen Gestaltung der großen Oratorienpartien basiert auf ihrer Begeisterung für Kirchenmusik seit frühester Jugend. So sang sie schon als Kinderstimme die Evangelistenpartie verschiedenster Passionen sowie den zwölfjährigen Jesus im Tempel (H. Schütz) in Hamburger Kirchengemeinden. Mittlerweile reicht ihr Repertoire von den Sopranpartien der barocken Oratorien über Mozarts und Rossinis Konzertarien oder Mendelssohns' und Brahms´ religiösen Meisterwerken bis zu den Passionen des 20. Jahrhunderts.
Irmelin Sloman debütierte 1997 mit großem Erfolg in der Kölner Philharmonie. Ihre weitere Konzerttätigkeit führte sie durch viele Länder Europas, in die USA und nach Südamerika. Dabei widmet sie sich neben dem Konzert- und Oratorienfach besonders auch dem Lied und der Kammermusik (u.a. mit Streichquartett oder Klaviertrio). Zahlreiche Mitglieder des Figuralchores haben bei Irmelin Sloman Gesangsunterricht.

Kay Immer

Leichlinger Kantorei

Kay Immer wurde 1957 in Duisburg geboren. Hier erhielt er den ersten Musikunterricht in den Fächern Flöte und Klavier, später auch Trompete. Seine ersten konzertanten Auftritte mit diesem Instrument hatte er im Alter von 13 Jahren. Nach dem Abitur begann er mit dem Studium der Germanistik und Geschichte in Duisburg, wechselte jedoch 1983 an die Robert Schumann Musikhochschule, wo er bis 1989 Gesang bei Frau Professor Ingeborg Reichelt studierte. Rege Konzerttätigkeit vor allem mit Oratorien von Bach, Händel, Haydn oder Mendelssohn, aber auch mit Messen von Mozart, Haydn, Bruckner und Schubert.

Wolfgang Georg

Wolfgang Georg

Wolfgang Georg, geb. 1948, studierte zunächst Schulmusik mit Hauptfach Gesang an der Musikhochschule Köln. Parallel zum Musikstudium erfolgte das Studium der Mathematik, Philosophie und Pädagogik an der Universität Köln. Während des Musikstudiums war Wolfgang Georg Mitglied des Vokalensembles „Pro Musica Köln“ unter der Leitung von Johannes Hömberg. Mit diesem Ensemble, bestehend aus 20 ausgewählten Stimmen, nahm er an zahlreichen Wettbewerben, Schallplattenaufnahmen und Konzertreisen teil. Ferner war er Mitglied des Ensembles ''Cantiqua''. Als Musikpädagoge ist Wolfgang Georg am Werner-Heisenberg-Gymnasium in Opladen tätig und leitet dort das Schulorchester, sowie die Schulchöre. Seit 1995 ist Wolfgang Georg auch Dirigent und musikalischer Leiter der „Musicalischen Academie von 1812 zu Burscheid“.

Bettina Strübel

Leitung: Bettina Strübel

Die musikalische Leitung der Kantorei liegt in den Händen von Bettina Strübel. 1963 in Stuttgart geboren, erhielt Bettina Strübel in ihrer Jugend eine vielfältige musikalische Ausbildung (u.a. Klavier-, Geigen-, Orgelunterricht). Später studierte sie in Köln Kirchenmusik. Während dieser Zeit sang sie in verschiedenen Kölner Chören, wie z.B. der Rheinischen Kantorei (Hermann Max) und dem Kölner Kammerchor (Peter Neumann). Nach dem A-Examen folgten Aufbaustudiengänge im Fach Orgel in Köln (bei Peter Neumann) und in Hamburg (bei Prof. Wolfgang Zerer). 1994 legte sie in Hamburg ihr Konzertexamen mit Auszeichnung ab. Sie besuchte zahlreiche Meisterkurse für Orgel und (Chor-)Dirigieren und gibt Konzerte im In- und Ausland Private Studien bei Prof. V. Wangenhein runden derzeit ihre dirigentische Ausbildung ab. Seit Oktober 1995 ist sie als Kantorin in Leichlingen tätig.

Russische Kammerphilharmonie

Russisches Orchester
Musik ist International

Die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg wurde 1990 von Absolventen des St. Petersburger ''Rimsky-Korsakoff-Konservatoriums'' gegründet. Das Orchester demonstriert eindrucksvoll das unerschöpfliche Reservoir an musikalischen Talenten sowie den hohen instrumentalen Ausbildungsstandart seines Heimatlandes. In jüngster Zeit hat das Orchester seine Tätigkeit erfolgreich nach Westeuropa ausgedehnt. Seine umjubelten Tourneen mit Mstislav Rostropovitch, Igor Oistrakh, Mikis Theodorakis, Nina Corti und Giora Feidamn ebenso wie mit Opern-und Ballettsolisten des Moskauer Bolschoi-Theaters und der St. Petersburger Mariinsky-Oper fanden internationale Beachtung. Auftritte in den Metropolen Paris, Rom, Madrid, Amsterdam, London, Frankfurt, München und Leipzig sowie bei verschiedenen Festivals bestätigen nachdrücklich den außerordentlichen Rang des Orchesters.

Figuralchor der Evangelischen Kantorei Leichlingen

Figural Chor

Der Figuralchor der Evangelischen Kantorei Leichlingen hat zur Zeit ca. 80 Mitglieder. Der Chor sieht seine Hauptaufgabe in der musikalischen Ausgestaltung der Gottesdienste und der Durchführung von Kantatengottesdiensten und Konzerten. Jährlich werden ein bis zwei größere oratorische Werke zur Aufführung gebracht. Für alle Chormitglieder besteht das Angebot einer individuellen Stimmförderung durch eine erfahrene Gesangspädagogin Irmelin Sloman. Am 29.12.2002 wird der Chor einen Kantatengottesdienst mitgestalten, für die erste Jahreshälfte 2003 sind Konzerte mit den Bläsern der Kantorei und der Henley Choral Society geplant.

KV 193 Leichlinger Kantorei

Magnificat: Von den Vespern und Vesperpsalmen, die Mozart für den Salzburger Dom geschrieben hat, sind die Vesperteile ''Dixit und Magnificat'', KV 193 die frühesten. Sie entstanden im Sommer des Jahres 1774. Das ''Dixit Dominus'' (Psalm 109) bildet den ersten Satz der Vesper, das ''Magnificat'', das Sie heute hören, den letzten. Vermutlich erklang es am Vorabend eines größeren Kirchenfestes, da es prachtvoll mit Pauken und Trompeten instrumentiert ist. Es ist durch das mehrfach wiederkehrende, aus dem 3. Psalmton abgeleitete Hauptthema rondoförmig angelegt, wobei jedoch einzelne Verse wie Quia respexit oder Et misericordia eius ihrem Ausdruck gemäß eine stark gegensätzliche Thematik aufweisen. Mozart's Vespern und Vesperteile sind Meisterwerke ihres Genres, die wie auch z.B. Bach's Magnificat heute ihren festen Platz in Kirchenkonzerten behaupten.

KV 425 Leichlinger Kantorei

Linzer Symphonie: Mozart komponierte diese Symphonie Ende Oktober 1783 in wenigen Tagen in Linz, wo er mit Constanze auf der Rückreise von Salzburg (siehe oben) einige Wochen im Schloss des Grafen Johann Joseph Anton von Thun-Hohenstein Station machte. Er schreibt an seinen Vater ''...und weil ich keine einzige Simphonie bey mir habe, so schreibe ich über hals und kopf an einer Neuen, welche bis dahin (4. November) fertig seyn muß''. Am 4. November wurde die Symphonie im Theater zu Linz uraufgeführt. Feinsinnige Kritiker wollen denn auch Anzeichen einer gewissen Hast bei der Arbeit u.a. in der relativ bescheidenen Tonartendisposition erkennen. Auch ist auffällig, dass die Durchführungspartien - also die Teile, wo normalerweise durch thematische Verarbeitung Spannungen, Entwicklungen und Steigerungen entstehen - relativ knapp gehalten sind. In ihrer Klarheit und Schlichtheit wirkt die Linzer Symphonie jedoch gerade durch die Eleganz und unmittelbare Verständlichkeit der Themen und Einfälle, die exquisite, farbenreiche und festliche Inbstrumentierung und die emotionale Tiefe, die festlich-fröhlichen, ja überschäumenden Partien innig-gesangliche, ja teilweise wehmütig-sehnsüchtige Partien gegnüberstellt (Letzteres betrifft besonders den zweiten Satz, das Adagio). In Einzelheiten künden sich in der Linzer Symphonie schon jene Qualitäten an, die Mozart in den wenige Jahre später komponierten großen ''Wiener Symphonien'' zur Vollendung führt. Hier lässt er den Rahmen bürgerlich-höfischer Gesellschaftskunst weit hinter sich und gelangt zu einer unmittelbaren persönlichen Aussage kraft.

KV 427 Leichlinger Kantorei

c-moll-Messe: In einem Brief an seinen Vater vom 4. Januar 1783 erwähnt Mozart das Gelöbnis, das er ''ganz vür sich in seinem Herzen'' getan hat, als Danksagung für die Genesung seiner Verlobten Constanze Weber ein Werk zu komponieren. Er schreibt, daß das Werk, das sehr gut zu werden verspreche, bereits zur Hälfte fertig sei. Losgelöst von allen kirchlichen Einschränkungen der Salzburger Zeit beginnt Mozart im Sommer 1782 mit der Komposition der c-moll Messe. Der für eine Kantatenmesse typische Wechsel von in sich abgeschlossenen monumentalen Chören, sowie virtuosen Arien bzw Solo-Ensembles ist das Ergebnis seiner Beschäftigung mit der Polyphonie Bachs und Händels, deren Musik er in Wien durch die Vermittlung des Barons Gottfried van Swieten kennenlernte. Als Mozart Ende Juli 1783 die immer wieder aufgeschobene Reise nach Salzburg antritt, um dem Vater und der Schwester seine Frau Constanze vorzustellen, bringt er die fertigen Teile der Messe mit. Vollendet hat Mozart das ''Kyrie'', das ''Gloria'', das ''Credo'' bis einschließlich ''Et incarnatus'' und das große Soloquartett des ''Benedictus''. ''Sanctus'' und ''Hosanna'' sind bloß in fünf Stimmen fertiggestellt, obgleich es sich eigentlich um achtstimmige Doppelchöre handelt. Der Schlußteil des ''Credo'' und das ''Agnus dei'' fehlen ganz. Am letzten Tag seines Aufenthaltes in Salzburg wird das Messfragment unter Mozarts Leitung im Rahmen einer Liturgiefeier in St. Peter mit Constanze als erster Sopranistin uraufgeführt. Nach seiner Abreise aus Salzburg schrieb Mozart nicht weiter an der Messe. Zwei Jahre später allerdings arbeitete er Teile davon zu der Kantate ''Davide penitente'', KV 469 (Libretto vermutlich von Da Ponte) um. In unserem heutigen Konzert kommt die durch H.C. Robbins Landon ergänzte Fassung zur Aufführung. Ernst und im imitatorischen Stil beginnt das ''Kyrie'' mit seinem posaunengestützen Chorsatz. Im ''Christe eleison'' wird die tröstliche Melodik des Sopran-Solos von Chorrufen grundiert, ehe das zweite ''Kyrie'' den Ernst des Beginns wieder aufnimmt. In den acht selbstständigen Sätzen des ''Gloria'' stellt Mozart ganz bewußt unterschiedliche Stile nebeneinander. Dem bewegten Allegro vivace des ''Gloria''-Chores (Anklänge an das ''Alleluja'' des ''Messias''!) folgt die von Streichern, Oboen und Hörnern begleitete ''Laudamus-te''- Arie, ein Stück kokoraturfreudigen Jubels im italienischen Stil. In fünfstimmiger feierlich homophoner Chor-Monumentalität bricht das ''Gratias agimus'' herein. Das ''Domine-Deus''-Duett für zwei Soprane ist wiederum ein bewegtes imitatorisches Stück. Das folgende ''Qui tollis'' bildet den Ausdruckshöhepunkt des gesamten Torsos. Ein gewaltiger Doppelchor mit gezackten, punktierten Figurationen der Streicher und mit vollem Bläsersatz unterstreicht eindrucksvoll die Bitte um Erbarmen. Das ''Quoniam'' dagegen wirkt beruhigend mit den leichtfüßigen Verzierungen in den drei Solostimmen, die aufsteigend geführt werden. Das majestätische ''Jesu Christe'', ein kurzer homophon gesetzter Chor, wirkt wie ein Säulengang, durch den man zur groß angelegten Fuge des ''Cum sancto spiritu'' gelangt. Dieses ausgedehnte Fugen-Finale, das sich an den großen Barockmeistern orientiert, ist ein Meisterstück des strengen Stils. Im ''Credo'' wird die Gewißheit des Glaubens durch die C-Dur-Tonart und den homophonen Chorsatz unterstrichen. Der innige Charakter des ''Et incarnatus'' vollzieht das Geheimnis der Geburt Christi nach. Durch die pastorale Instrumentierung mit Flöte, Oboe und Fagott zur Begleitung des Singstimme wird die Hirtenszene an der Krippe nachgezeichnet. Der Mozartbiograph Nissen ist der Auffassung, daß diese Sopranarie in zeitlicher Nähe der Geburt des ersten Kindes der jungen Eheleute entstanden ist. Dies erklärt die Hingabe, mit der Mozart hier eines der bewegendsten Werke seines gesamten Kirchenmusikschaffens und eine der schönsten Sopran-Arien überhaupt geschrieben hat. Das feierliche doppelchörige ''Sanctus'' mündet in die großangelegte ''Osanna''-Fuge, in der die himmlischen Heerscharen zum Lobpreis Gottes singen. Auch hier ist das Erbe von Bach und Händel unverkennbar. Im ''Benedictus'' sind endlich alle vier Vokalsolisten vereint. Vereint ist auch eine unerhörte stilistische Feinheit mit einer großen Tiefe des Ausdrucks. Hier verschmelzen auf glücklichste Weise der Stil des Barock und der Klassik, aber auch kirchlicher und weltlicher Stil.