Berg. Gladbach, Ratssaal Bensberg

Die Veranstaltung fand im Rahmen der vor einigen Jahren etablierten „Bensberger Konzerte“ im Ratssaal Bensberg in Bergisch Gladbach statt.
Zuerst erklang die Musik W. A. Mozarts: die aufschwungsvolle und vor Lebensfreude sprühende Sinfonie G-Dur No. 27 aus den jüngeren Jahren des Komponisten und eines seiner späten Meisterwerke – das Konzert für Klarinette mit Orchester A-Dur, dessen rührende Lyrik und Nachdenklichkeit immer wieder faszinieren. Krönung des Abends stellte L. van Beethovens Sinfonie „Eroica“ Es-Dur dar, ein Werk kolossaler innerer Kraft, großer dramatischer Kontraste und unaufhaltbarer Energie.
Das Programm wurde vom Kammerorchester Bergisch Gladbach unter Leitung von Dr. Roman Salyutov aufgeführt. Im Klarinettenkonzert solierte die berühmte belgische Künstlerin Senne Coomans.



KV 199, Sinfonie Nr. 27 G-Dur
Orchester: Kammerorchester Bergisch Gladbach e.V.
Leitung: Dr. Roman Salyutov
Aufnahme am 26. Januar 2014, Bergisch Gladbach, Ratssaal Bensberg
KV 199, Sinfonie Nr. 27 G-Dur
KV 199, Sinfonie Nr. 27 G-Dur, Allegro
KV 199, Sinfonie Nr. 27 G-Dur, Andantino grazioso
KV 199, Sinfonie Nr. 27 G-Dur, Presto



KV 622, Klarinetten-Konzert A-Dur
Orchester: Kammerorchester Bergisch Gladbach e.V.
Solisten: Senne Coomans (Klarinette)
Leitung: Dr. Roman Salyutov
Aufnahme am 26. Januar 2014, Bergisch Gladbach, Ratssaal Bensberg
KV 622, Klarinetten-Konzert A-Dur

Kammerorchester Bergisch Gladbach

Kammerorchester Bergisch Gladbach

Das Sinfonieorchester Bergisch Gladbach e.V. wurde 1968 als Kammerorchester Bergisch Gladbach e.V. gegründet (Umbenennung 2015). Es verbindet musikbegeisterte Liebhaber verschiedener Altersgruppen aus vielen Städten von Düsseldorf bis Köln, die Freude am gemeinsamen Musizieren und Konzertieren haben.
Aus einem kleinen Kreis hat sich das Orchester zu einem Kollektiv entwickelt, dessen Stammbesetzung sich zurzeit auf über 40 Mitglieder – Streicher und Holzbläser – beläuft. Je nach Programmen werden Blechbläser und andere Instrumentalisten zusätzlich engagiert.
Die erfolgreichen Dirigenten des Orchesters waren Helmut Zernack, Manfred Klink und Dr. Stefan Kames. Seit dem Jahreswechsel 2012/2013 wird es von Dr. Roman Salyutov geleitet.
Das Repertoire des Orchesters reicht von Kompositionen älterer Meister bis in die Moderne und wird durch viele hochkarätige Werke der Weltsinfonik immer weiter bereichert. Besondere Aufmerksamkeit gilt auch der Zusammenarbeit mit jungen Solisten, denen dadurch wichtige Konzerterfahrungen ermöglicht werden.
Heute hat sich das inzwischen beeindruckend groß gewordene Orchester zu einem der Besten seiner Klasse entwickelt und nimmt einen markanten Platz im Kulturleben der Region ein. Im Orchester spielen auch Profis, die gerne Mitglieder werden und ihre wertvollen Erfahrungen mit sich bringen. Immer neue Engagements führen das Orchester in verschiedene große Konzertsäle im Rheinland.


Senne Coomans

Senne Coomans

Senne Coomans wurde 1985 in Turnhout, Belgien, geboren. Ihre erste musikalische Bildung erhielt sie in den Academien Muziek en Woord in Mol & Geel, die sie seit 1993 besuchte und 2003 in Klarinette und Klavier mit summa cum laude abschloss. Es folgten auch ein Bachelor-Studium am Konservatorium Antwerpen im Hauptfach Klarinette (Abschluss 2008) und anschließend ein Masterstudium an der Musikhochschule Köln, das sie 2012 mit Auszeichnung absolvierte. Auch besuchte Senne Coomans internationale Meisterkurse bei renommierten Künstlern. Sie nimmt an diveren Musikprojekten aktiv teil und wird u. a. auch von der Belgischen Kammerphilharmonie engagiert. Als begeisterte Kammermusikerin und Solistin gastiert sie auf verschiedenen namhaften Festivals und Konzerten in Europa und Asien.

Roman Salyutov

Roman Salyutov, geboren 1984 in Leningrad, hat sich zugleich als Konzertpianist, Dirigent und Musikwissenschaftler (Dr. Phil.) profiliert.
Seine Auftritte führen ihn neben Deutschland auch in die Schweiz, USA, nach Israel, Österreich, Polen, Litauen, Ungarn, Japan, Australien und Neuseeland. Auch für Meisterkurse und musikwissenschaftliche Vorträge wird er eingeladen. Seit 2017 ist er Professor der Internationalen Klavier-Meisterkurse der Franz-Liszt- Gesellschaft in Breslau, Polen. Roman Salyutov ist Chefdirigent des Sinfonieorchesters Bergisch Gladbach, Initiator vieler Kulturprojekte wie beispielsweise jährliche Internationale Kulturtage und das Jugendkulturfestival in Bergisch Gladbach, das erste Deutsch- Israelische Orchester Jachad Chamber Orchestra und die Produktion von Don Giovanni in Bergisch Gladbach. Er setzt sich aktiv für die Intensivierung des internationalen Kulturaustausches ein und ist darüber hinaus 1. Vorsitzender des Musik- und KulturFestival GL e.V.

KV 199 Berg. Gladbach, Ratssaal Bensberg

W. A. Mozart, Sinfonie G-Dur KV 199: Aus einer Vielzahl der Sinfonien Mozarts finden relativ wenige große Verbreitung im Konzertleben: diese Melodien sind sehr populär und weltweit beliebt geworden. Aber die Vorstellung von Mozarts symphonischem Stil wäre unvollständig gewesen, sollten wir seine anderen Orchesterwerke nicht kennen, die häufig unverdient im Schatten stehen, aber viele interessante und erlebenswerte Merkmale aufweisen. Zu solchen Kompositionen zählt auch die Sinfonie G-Dur KV 199, die 1773 in der Reihe der sogenannten „Salzburger Sinfonien“ zur Welt gekommen ist. Sie stellt den kleinen symphonischen Zyklus dar und ist also dreisätzig angelegt. Mozart bevorzugt hier eine kammerartige Orchesterbesetzung: an der Aufführung sind nur Streicher, Flöten und Hörner beteiligt. Aber sogar bei einem dermaßen bescheidenen Ensemble zeichnet sich die Partitur durch Mozarts ideenreiche Fantasie und beeindruckende Meisterschaft bei der Behandlung orchestraler Klangfarben aus.

Bereits der Anfang des ersten Satzes (Allegro) erweckt eine klare Allusion zu einem der späteren Meisterwerke des Komponisten: die Sinfonie wird mit brillanten Akkorden in G-Dur eröffnet und erinnert an den Anfang „Einer kleinen Nachtmusik“ KV 525. Die Streicher gestalten eine aktive Bewegung, in deren Hintergrund verschiedene markante Musikdialoge zur Geltung kommen: da erklingen die Flöten im Wechsel mit den ersten Violinen, und hier antworten mit kurzen, aber deutlich hervortretenden Zwischenrufen die Hörner. Dem energischen ersten Thema folgt das zweite – im Piano, fein und graziös. Unerwartet dringen in der Mitte des Satzes ausgeprägt leidenschftliche und unruhige Töne ein, die Spannung steigert sich auffällig. Aber nach der Rückkehr des ersten Themas kann nichts den strahlenden freudigen Charakter dieser Musik mehr ändern – in diesen Jahren steht Mozart am Anfang der echten Blütezeit seiner Kunst und blickt der Zukunft erwartungs- und hoffnungsvoll entgegen.

Im zweiten Satz (Andantino grazioso) wirkt das Strichspiel faszinierend: mal gesangsvoll, mal tänzerisch, galant und sogar mit Humor klingen die aus vorwiegend kurzen charakteristischen Intonationen gestalteten Themen. Dabei findet der Komponist immer neue Klangfarben: so entwickelt sich ein Gespräch unter den beiden Violinen, begleitet von zarten Pizzicati in den Bratschen und Bässen, und plötzlich wird man überrascht durch den Horneinsatz, im Hintergrund dessen ausgaheltener Töne die leichten, mit Pausen unterbrochenen Motive in den ersten und zweiten Violinen einen unruhigen und sogar etwas atemberaudenden Eindruck vermitteln. Durch die bunten Kombinationen erscheint das ganze Geschehen in dieser Musik nicht seriös, sondern eher spielerisch – eine Art Maskenspiel.

Im dritten Satz (Presto) verfährt Mozart von Anfang an polyphon und verflicht zwei thematische Hauptelemente in verschiedenen Orchestergruppen. Er schafft eine unaufhalbare energische Bewegung, die mit dem darauf folgenden zweiten Thema tänzerischen Charakters markant kontrastiert. Dialoge zwischen verschiedenen Instrumenten klingen lebendig, mal wie feierliche Rufe, mal etwas geheim wie ein Echo, die witzige Natur einzelner Motive wirkt faszinierend, als hätte sich der Komponist einem hinreißenden musikalischen Spiel wohl hingegeben, und die ganze Sinfonie endet im ausgeprägt freudigen Ton.

Das ganze Werk ist ziemlich schnell vorbei, bleibt aber nachhaltig in Erinnerung aufgrund der immensen, bodenlosen Fantasie Mozarts, die ihm ermöglich hat, immer originelle, eindrucksvolle Kompositien auch mithilfe von ziemlich bescheidenen orchestralen Mitteln zu gestalten.

KV 622 Berg. Gladbach, Ratssaal Bensberg

W. A. Mozart, Konzert für Klarinette und Orchester A-Dur KV 622: Nur ein paar Monate vor dem Tod des Komponisten vollendet, stellt Mozarts Klarinettenkonzert ein echtes Phänomen dar, vor allem aufgrund seines Charakters: aus des Schöpfers Feder, der damals schon in großer Not lebte und gesundheitlich wie auch geistig erheblich litt, ist ein Werk unglaublicher Lebensfreude und so warmer Gefühle entstanden. Kaum zu glauben, dass im gleichen Zeitraum die Arbeit am „Requiem“ im Gange war, und um so wunderbarer ist Mozarts ewiges Streben nach dem Feinen, Himmlischen und Hellen.

Das Klarinettenkonzert, Mozarts Freund – dem berühmten Klarinettisten Anton Stadler gewidmet, ist als typisches dreisätziges Instrumentalconcerto angelegt.
Der erste Satz (Allegro) wird mit der Exposition des thematischen Hauptmaterials im Orchester eröffnet. In der fein und klar gestalteten Partitur kommt kein einziges Instrument ungemekt vor, sei es länger ausgestreckte Themen oder kürzere Motiven: jedes Register, jede Klangfarbe tritt sehr markant hervor, wodurch der Orchesterpart wie von innen erleuchtet. Auf eine Kontrastgestaltung der Themen (Hauptthema und Seitenthema) verzichtet Mozart: die beiden Themen sind lyrisch und gesangsvoll, „mit langem Atem“, und ergänzen einander charakterlich. Und die Klarinette – die Seele dieser Komposition. Wenn sie zum Einsatz kommt, findet sofort eine breite Emotionspalette Ausdruck, und man hört kein Instrument als solches, sondern eine menschliche Stimme, als hätte sich Mozart selbst hier zu Wort gemeldet: er lacht, lächelt, freut sich, ist aber teils melancholisch und in sich vertieft. Manchmal tritt in der Musik ausgeprägte Dramatik hervor: diese Momente sind einzeln, aber um so eindrucksvoller erklingen diese Episoden, die Mozarts Lebensfreude für einige Momente quasi überschatten.
Zu einer intimen, höchst persönlichen Aussage wird der zweite Satz (Adagio). Die Innigkeit dieser Musik lässt sich kaum verbal beschreiben und wirkt eher unmittelbar und spricht menschliche Sinne direkt an. Bereits von Anfang an beginnt die Klarinette mit dem Thema, und diese Stimme schwebt, umgeben von den zart begleitenden Streichinstrumenten. Aus dem Solo entwickelt sich ein Dialog, es bildet sich allmählich eine emotionale und dynamische Steigerung, an deren Höhepunkt von der Klarinette eine feine Kadenz gestaltet wird. Die letzten Töne des Satzes klingen in voller Ruhe aus und lassen ihren in der Stille noch etwas schwebenden Nachklang genießen.
Das brillante Rondo (3. Satz) ist sehr lebendigen Charakters. Es kreist das Refrain-Thema, voller Leichtigkeit, im Wechsel mit mehr oder minder kontrastreichen Episoden. Man erlebt unterschiedliche Stimmungen – mal freudig, mal melancholisch, mal aufschwungsvoll, mal wieder nachdenklich. Die Klarinette und das Orchester ergänzen sich bei diesem sich permanent bewegenden Charakterspiel, die Melodien sind voller Originalität – etwas tänzerisch und gesangsvoll, durch kurze Pausen unterbrochen und als lange Linien aufgebaut. Der unaufhaltbare Schwung der Energie steigert sich, die glänzenden Läufe in der Klarinette werden fein, aber wohl entschlossen und ausdrucksvoll vom Orchester ergänzt, und in einem strahlenden Tutti endet das ganze Werke – trotz aller unglücklichen Lebensumstände scheint sich Mozart über den Alltag erhoben und die absolute seelische Einigung mit dem Universum erreicht zu haben.